Band 
Sechster Theil.
Seite
228
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L28 Schreibekunfi.

chen Sinne des Worts, war. Man malte nähm»lich die Gegenstände, an welche man andere erin-nern wollte, ihrer ganzen Figur nach, ab. Um z.B. anzuzeigen, daß ein Mensch einen andern gelob-tet habe, zeichnete man einen Menschen, der aus-gestreckt auf der Erde lag, und einen andern- dervor ihm stand und ein Gewehr in der Hand hatte.Vermöge dieser Schrift konnten jedoch nur körperli-che Dinge und wenige Handlungen ausgedrückt wer-den, und da ste aus unförmlichen Bildern natürli-cher Gegenstände bestand, erhielt ste den NahmenBilderschrift, von welcher hauptsächlich die EgyptierGebrauch machten i).

Diese Art zu schreiben war aber sehr beschwer-lich, daher man die zweyte Art der Schrift erfand,wclcbe in schicklichen und verständigen Abkürzungender Figuren körperlicher Dinge bestand. Man zeich-nete nähmlich nicht mehr das ganze Bild von derSache hin, die man kenntlich machen wollte, son-dern verfiel darauf, die Zeichnung abzukürzen undnur einige kenntliche Züge von dem Gegenständeauszudrücken. Um z. B. einen Walker anzuzeigen,malte man zwey Menschenfüße im Wasser K).

Nachdem man nun die in die Äugen fallendeGegenstände abbilden konnte > versuchte man esauch, Dinge- die nicht in die Augen fallen, son-dern bloß mit dem Verstände gefaßt werden müssen,z. B. Eigenschaften, Tugenden u. s. w. durch solcheaus der Natur oder Kunst entlehnte Bilder auszu-drücken, die mit der Sache, die man kenntlich ma-chen wollte, einige Aehnlichkeit hatten. Hierausentstand die dritte Art der Schrift, nähmlich die