Band 
Sechster Theil.
Seite
328
JPEG-Download
 

ZgZ Sieden.

Wasser und Weingeist in luftleeren Gefäßen bey sehrgeringer Wärme kochen, hat Papin, wahrscheinlichum das Jahr 167z, zuerst 3) durch Versuche gezeigt.Im Jahre >702 fand Amontons bey feinen Versu-chen, dem Thermometer feste Puncte zu geben, denSiedpunct des Wassers in offenen Gefäßen bestimmt,und unveränderlich. Er bewies sogar diese Bestän-digkeit durch eigne Versuche, und machte ein großesWunder daraus, daß das Wasser, wenn es ein-mahl siede, nicht heißer werde. Allein Fahrenheitd) bemerkte schon 1724 an feinen Quecksibcrthermo-metern, daß der Druck der Luft einen sehr merkli-chen Einstuß auf den Grad der Wärme des sieden-den Wassers habe. Er zeigt dieses durch eine Artvon Wasserthcrmometer, welches in kochendes Was-ser gesetzt, viel höher steht, wenn das Barometereinen hohen Stand hat. Daß auf hohen Bergen,wo die Luft dünner ist, das Wasser eher siedet, undweniger Hitze annimmt, als in der Ebne am Fuß?des Berges, bewiesen le Monnier 17Z9, und nach-her Secondat de Montesquieu^, besonders aber Herrde Luc im Jahre 1762 c). Aristoteles 6) bemerkteschon, daß man ein dünnes Gefäß mit kochendemWasser vom Feuer wegnehmen, und am Bodenmit der Hand angreifen könne, ohne sich zu ver-brennen. Die einmahl thätig gewordene Anziehungdes Wassers gegen den Wärmestoff wirkt nähmlich nocheine Zeitlang fort, so daß die Verdampfung nichtplötzlich aufhören kann; weil aber von außen keinFeuer mehr hinzukommt: so wird zu dieser Verdam-pfung dasjenige mit verwendet, was sich vorher imBoden des GefäßeL, als freye Wärme, aufhielt.