Turnier.
bestraften ihn die Ritter , oder auch die Dame fürseine Kühnheit mit Ruthcnschlagen, die von allenSeiten auf ihn zuströmten. Bloß die Gunst derDamen, die er mit lauter Stimme anrufen muß-te, konnte ihn dieser Strafe entziehen.
Um die Bahn des Turniers herum waren Schau-bühnen gebaut, welche größtenteils wie Thürme ge-staltet, und in Bogen oder Stufen abgetheilt wa-ren, die mit den reichsten Tapeten, Vorhängen, Fah-nen, Bändern und Schildern aufs prächtigste aus-geschmückt, und besonders für die Könige, Königin-nen, Prinzen, Prinzessinnen, nebst ihrem ganzenHofstaat bestimmt waren.
Wenn sich alle Quadrillen geordnet hatten, sogingen die Richter alle Glieder durch, und unter-suchten, ob sich jemand an den Sattel seines Pfer-des hatte fest schnallen lassen, denn dieses war alsunanständig bey strenger Strafe verbothen. Hieraufward das Zeichen zum Angriff gegeben. Die Waf-fen, die man im Gefechte brauchte, waren, weilder erste Zweck dieser Spiele in der Vorbereitungdes Adels zum Kriegswesen bestand, bloß solche,die man leichte, und unschädliche nannte, nähmlichLanzen ohne Eisen, Degen, die weder, scharf, nochzugespiht, oft aber bloß von Holz waren, zuweilenauch nur Stöcke. Niemand durfte aber weder aus-ser der Reihe fechten, noch das Pferd seines Geg-ners verwunden, noch den Stoß seiner Lanze anderswohin, als nach dem Gesicht, oder mitten auf denPanzer richten. Man durfte auch keinen Ritter an-greifen, so bald er das Visir seines Helms losge-