Feder. 391
dis Blätter ;u einer Blume bilden will, wählet unterdenen also schon sorcirken Federn diejenigen, welche zuder Blume, wozu sie bestimmt sind, am schicklichstensind. Da allemahl die kleinsten Blatter zu einer Blu«nie zuerst gebraucht werden, so muß sie auch darnachihre Einrichtung treffen. Sie schneidet sich mit derScheere jedes Blatt erst zurechk, und gibt ihm die gehö-rige Gestalt, die es haben soll. Alle Blumen müssen hieraus lauter einzelnen Blättern zusammengesetzt werden.Der ganze Handgriff besteht darin, daß die Künstlerin«die Haare der Federn mit der Scheere etwas kräuselt,und auch die ganze Feder, wenn eö nöthig ist, gehöhltMit der wcheere bieget, um dadurch denselben eine de«natürlichen Blumen ähnliche Gestalt hervorzubringen.
Gesetzt, man wollte eine Nelke machen, so muß die Per»son, welche die Blätter zuerst bildet, bey einer jeden Feder,welche ein Blatt vorstellen soll, mit der Scheere die äuß rnUmrisse zuschneiden. Nachher zackt sie die obern Umrisse nachder Gestalt einer Nelke aus; und nachdem alle Blätter zu ei»«er Blume nach ihren verschiedenen Größen solchergestalt ge--bildet sind, werden solche in die Hände der Person, welche siezusammensetzen soll, übergeben. Selbige macht sich einenStäagel von geglühetcn Draht, woran sie erst alle kleine Blät-ter anleget, und mit grüner Seide anbindet. Sie weiß, durcheint schon erlangte Erfahrung, die Natur so viel möglich nach-zuahmen, leget die Blätter nach ihrer zunehmenden Größe an,und bindet sie an den Stängel fest. Will man Knospen an dieHaupcblume anbringen, so werden selbige erst besonders verfer-tiget, indem man sich kleine Blätter von Federn nach der gehö-rigen Gestalt dazu schneidet, und aisdcnn dieselben an einenbesondern Stänqel anbindet und bildet. Nachdem die einzel-nen Blätter, welche die Knospen vorstellen sollen, gehörig dennatürlichen Blumen gemäß an einander gelcget, und mit Sei-de angebunden worden, werden nachher die grünen Gehäuse-Blätter daran gelegct. Allen diesen Blättern gibt man, soViel möglich, die nöthige Wendung und Biegung, damit sichdie Knospe geschlossen darstelle.
Jacobsson Schauplatz der Zcugmanufacr. i» Deucschkand,
" 4 Band, Bert- 1776, gr- 8 . S. 487, fgg.
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