Glückseligkeit. 223
Wir nenne« den glückselig, dem es nach seinem Kopfgehet, und der dasjenige erhält, was er sich eben zurZeit zu besitzen wünscht. Erhalten wir dieses nicht,oder wird uns etwann dasjenige, was wir zu besitzen ver-Weinten, entrissen, so klagen wir über Unglück. Undhieraus läßt sich erklären, warum die mehresten Men-Ichen ihre Handlungen so wunderlich und widersprechendeinrichten. Machte ein jeder sich von der wahrenGlückseligkeit richtige Begriffe, so wurden alle Men-schen sich mehr zur Beförderung einer allgemeinenGlückseligkeit bestreben, und aledenn wären mehrerefür ihre Person glücklich, und es würden sich sehr we-nige über ein vermeintliches Unglück beschweren.
Meines Trachtens, hat niemand das wahre Glückbesser bestimmt, als der Engländer Pope, in sei-be»n Versuch über den Menschen, im 4 Br. ErZeigt, daß in der ungleichen AuStheilung der so genann-ten Glücksgüter auf dieser Welt eben der Grund zu ei-t>er allgemeinen Glückseligkeit liege; daß Gesundheit,Gemüthsruhe und ein nothdürftiges Auskommen, al-lein die drey wahren Glücksgüter seyn, welche diesenLahmen verdienen; daß das Glück nach einem blindenEigensinn sich oft gegen Gottlose eben so freygebig er«Zeige, als gegen Fromme; daß aber die GlückögüterEe Annehmlichkeit verlieren, wenn wir sie nicht ver-.'enen; daß alles, was wir böse nennen, entweder nurw unserer Einbildung böse sey, oder es durch unsernMißbrauch und üble Anwendung aufeineZeitlang wer-daß Gott, um gewisser angenommener Lieblinge^lllen, nicht die in der Natur gelegten Grundgesetze?ue Augenblick aufheben und das ganze Welcgebaude,l !Unordnung bringen werde; daß die allerklügstenwchk überein dächten., also alle Menschen nach dem«ahmlichen System nicht gleiche Vorzüge genießen^nriten.