Glückseligkeit. 231
wehr esse, so bekenne ich, daß ich eine elende Glückseligkeit be»%• Nein, ich habe würdigere Begriffe von toi Glückselig-keit. Nur ein so weises und vollkommenstes W sen, al« Gottist, war im Stande, den geringsten aber auch den beschwer i ch«Ken Stand mit dem höchsten in gleicher Glückseligkeit ru er»halten.
Endlich sind wir alle gleich glücklich, weil wir allegleiche Mittel in Händen haben, zur Glückseligkeit zugelangen. Der Monarch hat hierin vor dem gering-sten Hirten seiner Länder keinen Vorzug. Wir kön-nen alle zu einem gewissen Grad der Zufriedenheit derSeele gelangen. Keine Gewalt und kein Unglück istso mächtig, uns diese Mittel zu entziehen. Sie sindin uns selbst. Wir dürfen sie nicht von -er Hülfe einesAndern erwarten; Gott hat eine Seele wie die anderedamit ausgerüstet. Die Vernunft ist es allein, welchedie Zufriedenheit unserer Seele befördert. Wir müs-sen klug werden; wir müssen in uns selbst ein Reichüber unsere Leidenschaften und Begierden errichten.Diese Herrschaft ist weit glücklicher, als der schimmerndeThron des höchsten Monarchen. Wir alle deichengleiche Kräfte, diesen glücklichen Thron zu besteigen.Der Tagelöhner kam; ohne Mühe einsehen, daß er mitaller seiner Ehrsucht, und mit aller Kränkung, die erstch darüber macht, kein Edelmann werden wird.Wenn er also klug ist, so ist er mit dem knorrigen Man«derstabe des Lebens, den ihm Gort in die Hände gege-kett hat, zufrieden. Er kränkt sich nicht vergebens,daß er nicht einen gemahlten Stab von der Hand desHerren empfangen habe, weil ihm der eine so vielDienste thut, als der andere. So unvernünftig derPöbel in vielen Handlungen scheint: so traue ich ihm^ach zu, daß er hierin seine Vernunft richtig gebrauche.Die beschwerliche Arbeit, die er ohne den mindestenVerdruß verrichtet, überzeuget mich, daß er die Mit-tel anwenden müsse, die ihm Gott zu seiner Beruhig-
und zu seiner Glückseligkeit an die Hand gegebenP 4 hat.