722
Industrie.
Das menschliche Geschlecht macht eine große Gvsellschaft aus; und die Reiche, dieStadte, die Dörfer,die Familien, sind die Glieder derselben, welche wiederunter sich in Verbindung stehen. Wenn nun ein jederMensch in denselben alles mögliche thut, die äußerli-chen Güter des Lebens für sich selbst, und für diejeni-gen, die mit ihm verbunden sind, zu erwerben, so blü-het die Nahrung und das Gewerbe. Der erste Triebdazu ist die Selbsterhaltung. Ein jeder Mensch willleben, er will glücklich seyn, und von den äusserlichenGütern so viel haben und genießen, als er kennet undihm zu erlangen möglich ist. Aber das allgemeineWohl, ist das Wohl einer jeden Privatperson. ErMuß also nicht allein für sich selbst arbeiten, sondernauch für andere, und zum Ruhen der ganzen Gesell-schaft, von der er Schuh, Hülfe und Sicherheit er-langt. Er muß die Obrigkeit, welche das Beste derganzen Gesellschaft besorget, mit seinen Diensten undAbgaben unterstützen. Er muß die Leute und Be-dienten, welche sie braucht, Gerechtigkeit, Sicherheit,Ruhe und die gemeine Wohlfahrt zu erhalten und zubefördern, ernähren helfen.
Die Bedürfnisse der Menschen, und die Sachendie ihm nützlich sind, sind sehr mannigfaltig. Einigefordert die Natur, andere hat die Kunst ersonnen; undein Mensch bedarf davon immer mehr oder weniger,als ein anderer. Keiner kann alles hervor bringen,was er nöthig hat, und was ihm bequem und nützlichist. Keiner ist zugleich Ackermann, Schuster, Schnei-der, Tischler; denn die Hervorbringung einer jedennützlichen Sache erfordert eine gewisse Kunst, undwer kann alle diese Künste auf einmahl lernen? Einanderer der die Sache gelernt hat, macht sie viel leich-ter und geschwinder, als wer dazu nicht geschickt ist.Die Menschen haben also die Geschäfte des Lebens un-ter sich getheilt; einer arbeitet immer für den andern.