Buch 
14 (1820) Australien / [Hrsg.: Theophil Friedrich Ehrmann; Friedrich Ludwig Lindner]
Entstehung
Seite
409
JPEG-Download
 

Die Ladronen - oder Marianen - Inseln. 409

dringe und in seiner Ordnung erhalte, aber so dochüber unsere. Fassungskraft erhaben sey, daß es Vermes-fenheit wäre, ihm einen Namen geben zu wollen.

Die ungeheure Kluft zwischen dem Unnennbaren unddem sterblichen, schwachen Menschen, schien ihnen keineOede, sondern eine durch Geister ausgefüllte, unsichtbareWelt zu seyn. Es ist wahrscheinlich, daß Sonne, Mondund Sterne von ihnen, nicht als todte Körper, sondernals lebendige Geister verehrt wurden; sowie auch Wäl-der, Berge und Gewässer ihnen als der Sitz höhererWesen erschienen.

Unter diesen Wesen der zweiten Ordnung giebt es,nach ihrer Vorstellungsart, feindliche Naturen, unterdenen einige am Glück, andere am Unglück der MenschenWohlgefallen haben. Stirbt ein Mensch, durch irgendein Unglück, eines gewaltsamen Todes, so bemächtigt sichseiner Seele der böse Dämon Chaysi, der sie in seinHaus, Sasarraguan, einführt, wo neues Unglückseiner wartet.

Ist der Mensch aber so glücklich, daß fein Lebendem Gange der Natur gemäß sich endet, so wird ernach seinem Tode ein An i tis, d. i. ein Bewohner desReichs glücklicher Geister, deren Aufenthalt ein herrlicherGarten ist, mit Palmen und köstlichen Früchten ge-schmückt, und von angenehmen Strömen bewässert, diesich durch blumenreiche, Duft erfüllte Thäler winden.Nicht als Lohn für seine Thaten könne der Mensch die-sen Ort der Seeligkeit erwarten, was sind seine Tha-ten ? er soll nicht stolz seyn! als ein Glück sey eSihm aufbewahrt.

Die Anitis, glauben sie, sind nicht von aller Ge-meinschaft mit den Lebenden abgeschieden; man soll siedaher nicht vergessen, weder als Freunde, noch als Fein-de. Da der liebste Aufenthalt der Anitis, wenn sie die