Lebens-Ordnung. 295
langsame Menschen leiden indessen von der Bewegungdes Gemüthes auf eine ungleiche Art. Von demGebrauche des Nachdenkens kann der Verstand ver-loren gehen; und eenen denkenden Menschen von die-sem Gebrauche abhalten wollen, wäre doch so viel,als ihm das Leben nehmen. Arbeitet man mäßigmit seinem Verstände, auch sich selbst zum Vergnü-gen, so kann man sagen, daß der ganze Körper sovieldabey gewinne, als bey einer andern Ruhe des Ge-müthes. Doch ist nicht zu aller Zeit die Arbeit mitdem Körper und den Sinnen, gleich nützlich undschädlich. Mehrentheils ist sie nach der Mahlzeitnachtherlig, und ermüdet die Smne und den Körper.Es ist gut, wenn man vor dem Essen seine vornehm-sten Geschäfte verrichten, und den Nachmittag mehrzu seiner Ruhe anwenoen kann. Mancher treue Ar-beiter, oder fleißige Landmann, hat durch starke Ar-beit nach der Mahlzeit, zumahl wenn sie in der Son-nen-Hitze geschieht, seiner Gesundheit Schaden ge-than, oder sein Leben zugesetzt. Ein solcher thätebesser, gleich einigen südlichen Völkern, zu Mittagewenig, und zu Abend etwas reichlicher zu essen, un-geachtet sonst die starken Abend-Mahlzeiten nicht zubilligen sind. Schwachen und alten Personen, wel-che mehr als einer wachenden Ruhe bedürfen, ist derMittags-Schlaf, auf einem bequemen Lehn. Stuhle,dienlich. Wenn der Nahrungs- Saft sChylus) indas Blut steigt, so ist wieder die Bewegung des Kör-pers höchst nöthig, damit gesunde Säfte davon be-reitet, oder die nndienlichen durch die Ausdunstungabgeführt werden. Die harten, oder auch öfters zurFäulniß geneigten Speisen, welche der Landmann,oder ein anderer starker Arbeiter, verzehrt, werdensolchergestalt durch die Bewegung ihm gesund, ohnedaß daraus Scharbock oder bösartige Fieber entste-hen. Wenn auch von demjenigen, wasdenVorneh-
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