Lebhaft. 535
wie bey einjelen Menschen, die Beobachtung machen,daß eine allgemeine und anhaltende Lebhaftigkeitsie nicht zu der Größe des Geistes und Herzens kom-men läßt, der die Menschen überhaupt fähig sind.
Hieraus folgt, daß in Werken des Geschmackesdas, was man vorzüglich lebhaft nennt, ohne Nach»theil nicht allgemein werden darf. ES scheint, daß dieneuern französischen Kunsirichter die Lebhaftigkeit fürdie erste und vornehmste Eigenschaft eines gutenSchriftstellers halten; das erste Lob, das sie denenSchriften, die ihnen gefallen, geben, zielt meisten-theils dahin ab; eine hinreißende feurige Schreib-Artist allemahl das, was sie vorzüglich loben, aberes ist gerade das, was man bey den Alten am selten-sten findet. So ist auch ihre Instrumental-A-usik;und eben dieser Geschmack des Lebhaften findet fich auchin ihren zeichnenden Künsten.
Der Mensch ist nie lebhafter, als tut Zorn und inder Freude; deswegen auch die Lebhaftigkeit der G-danken und des Ausdruckes sich am besten zu diesenbeyden Leidenschaften schicken. In der Rache kom-men bisweilen beyde zusammen, und alSdann entstehteine sehr große Lebhaftigkeit, wovon wir in folgenderStelle des Hora; (*) ein schönes Beyspiel haben:
AnJiveve, Lyce, DI mea vota; DIAudivere, Lyce; sis anus, ei tarnenVis fonnofa vitleri.
Die Werke des Geschmackes, deren Haupt, Cha-rakter Lebhaftigkeit ist, können den Ruhen haben,träge, kalte, auch zu ernsthafte Gemüther etwas zuermuntern. Vorzüglich können lebhafte Lieder mirguten Melodien diese Wirkung thun. Es würde inmanchem Falle für die Erziehung der Jugend vor-Ll 4 theil.-
(') L. I V- 13.