Band 
Sieben und sechzigster Theil, von Lebens-Art bis Lederz.
Seite
553
JPEG-Download
 

Lebhaftigkeit in Gesellschaften. 553

Esgiebt daher verschiedene Grade der Lebhaftigkeit.Dasjenige Alter demnach, worin man die mehresteKenntniß, die meisten Fertigkeiten hat, darin beydeTheile in Absicht auf ihre Verschiedenheit die stärkesten sind, ist das lebhafteste in Absicht auf die andern.Daher verringert dasjenige Alter, in welchem die Ge-müths- Kräfte schwächer werden, und der Körper so-wohl, als die Seele, ihre Fertigkeiten dem Grabenach verlieren, die Lebhaftigkeit, und man sieht daher,warum alte Leute gemeiniglich nicht mehr so lebhaftsind, wie sie es in jünger« Jahren waren.

io. Die Erfahrung lehrt, daß, wenn man eineFähigkeit, oder etliche allein, anbauet, die anderndadurch stumpf werden. Wer das Gedächtniß mei-stentheils übt, und die Urtheilungs-Kraft nachsetztin der Uebung, der wird stumpf im Urtheilen; undeben so wird das Gedächtniß durch den Mangel derUebung geschwächt, wenn man dieselbe bloß auf dieUrtheilungs - Kraft richtet. Gleiche Bewandtniß hates mit den andern Kräften der Seele. Ein Ver-stand, der sich bloß ober mehrentheils mitallgemeinenDingen beschäftigt, wird stumpf zu den sinnlichen;und eine Seele, die sich vorzüglich mit dem Sinn»lichen beschäftigt, kann sich nicht wohl zu dem Allge-meinen erheben. Wer demnach seine Lebhaftigkeitnicht schwächen, sondern sie im Gegentheil vermeh-ren will, der übe weder bloß die Kräfte der höhernErkenntniß-Vermögen, noch allein die untern See-len-Kräfte, noch auch allein die Kräfte des Körpers,sondern gebe den Uebungen in allen diesen ein solchesVerhältniß, daß keine Fertigkeit und keine Fähigkeit,der andern wegen, merklich leide, weil er sonst durchSchwächung und Zernichtung gehabter Fähigkeitendie Sphäre seiner Lebhaftigkeit enger und kleiner macht.Ein lebhafter Gesellschafter aber ist verbunden, sie im-mer, so viel möglich, größer und weiter zumachen.

Mm 5 ii» Der