ZZ6 Lebhaftigkeit in Gesellschaften.
man unschuldiger Weise die Ursache gewesen ist, daßsie sich ein Temperament beylegten, welches sie dochnicht gehabt haben- bloß, um von der Anzahl derernicht ausgeschlossen zu seyn, die, ihrem Temperamentenach, den nächsten Anspruch auf diese oder jene Voll-kommenheit hatten. Ich befürchte von der gegen-wärtigen Bestimmung ein gleiches. Denn die Leb-haftigkeit ist eine von denen Eigenschaften, um derenwillen man leicht sein wahres Temperament verken-nen, und ein derselben gemäßeres annehme» mag, umein näheres Recht zu ihrem Besitze sich einzubilden.Ueberdies möchte man aus einer solchen BestimmungAndern diese gesellschaftliche Tugend deswegen abspre-chen, weil sie dieses oder jenes Temperament nichtbesäßen, und sie Andern, weil sie dieses oder jenesTemperament hätten, beylegen, welches in beydenFällen ungegründet seyn würde. Ich will daher lie-ber schweigen. Ich weis, man wird den Phlegmati-cum und Melancholicum gewiß nicht darzu rechnen.
cz. Ob ich auch die Spiel.-Gesellschaften derLebhaftigkeit fähig halte? Ich sollte es meinen, dennes fallen ja Abwechselungen genug dabey vor. Mandarf nur auf die Gesichtszüge und Bewegungen derSpielenden Acht haben, so verändern sie sich öfter,als das Wetter im April. Hier zieht sich auf derStirn des einen ein Gewitter zusammen, und einFluch oder Schwur donnert aus dem Munde heraus;bort schielt die Gewinnsucht und die Neugierde indie Karre des Andern. Hier hört man ein spöttischesGelächter; dort mit Fleiß versprochene Worte, dieder Spiel-Gebrauch eingeführt hat. Bald erhebtsich die Zanksucht, bald dringt der Widerwille ein.Ist ein Gesellschafter im Spiele schuld daran, daßdas Spiel gewonnen wird, so hält ihm der andereseinen Fehler vor, den er doch das nächste Mahl selbstbegeht, und dadurch dem erstern wieder Ursache giebt,
mit