Band 
Sieben und sechzigster Theil, von Lebens-Art bis Lederz.
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6o4 Lecker» Bissen.

daß das für sich Unangenehme durch die Mischungmit dem Wohlschmeckenden desto pikanrer wird.

Unter Lecker-Bissen, Leckereyen, oder Delica»tessen, verstehe ich jede Sache, die, von eincm gesun-den Menschen genossen, die Nerven-Wärzchen seinerZunge und fernes Gaumens auf eine angenehmeArt reizt, und deren Annehmlichkeit dadurch sehrvermehrt wird, wenn zugleich ein Wohlgeruch dabeyStattfindet. Ich fordere mit Fleiß, daß der Menschgesund sey, der diese Speisen genießt, da kern Kran-ker einen reinen und zuverlässigen Geschmack : hat,und also mein richtig urtheilen kann. Unter derKrankheit begreife ich auch einen quälenden Hungerund Durft, und fordre also, daß niemand daran lei-den muß, der über einen Lecker-Bissen urtheilen will.

Ob gleich eigentlich nur daü ein Lecker-Bissen ge-nannt w'rden kann, was den Geschmack eines gesun-den Menschen auf eine angenehme Art reizt, so mußman sich doch wirklich verwundern, auf wie verschie-dene Art der Geschmack mehrerer Menschen von ei-nem und demselben Dinge gereizt wird, ungeachtetsie alle gesund, alle von gleichem Alter, und alle freyvon zu starkem Hunger oder Durste sind; und dochfindet der eine das nur erträglich, was dem andernsehr wohlschmeckend, und dem dritten zuwider ist.Man kann deswegen den Geschmack eines Jeden nichtfür fehlerhaft erklären, und es läßt sich, wie man zufagea pflegt, überhaupt über den Geschmack nichtdtsputiren. ES muß dieses alles von verschiedenenUmständen abhängen, die nicht gleich in die Airgenfallen. Bisweilen widersteht ein Nahrungs-Mtttelvöllig der Natur gewisser Leute, was andre doch fürsehr schmackhaft halten. So können manche Perso-nen weder den Geruch noch den Geschmack unsererangenehmen Erdbeeren ertragen, ohne daß ihnen übel

davon