Lecker-Bissen. 605
davon wird. Bergius (*) sah einmahl, daß jemandein Fieber mit ro-hen Flecken über den ganzen Kör-per bekam, der einen Schluck Erdbeer-Branntweingenommen hatte. Ein ähnliches Beyspiel erzähltBarthvlin (**). Eine ähnliche Ursache muß bey demAbscheu verschiedener Personen vor Butter und Käse,die dem größten Theile der Menschen doch angenehmzu seyn pflegen, Statt finden. BergiuS hat einenMann gekannt, der durchaus keinen Wein vertragenkonnte, und von einem Par Tropfen, die er beymAbendmahl genoß, krank ward, wenn er nicht kaltesWasser hinterher trank, um den Wein zu verdünnen.Schwangere Personen haben gemeiniglich eine» aus-serordentlichen Appetit auf solche Sachen, die einemandern zuwider find, und dagegen einen Abscheu vorsolchen Dingen, die ihnen sonst wohl behagten.Ausserdem rührt der Abscheu vor gewissen wohlsche-ckenden Dingen, oft von einem widrigen Eindruckeher, den man bey gewissen Gelegenheiten in der Ju-gend erhalten hat. Wenn man sich ekwann einmahlden Magen mit einer Speise überladsn hat, und da-durch krank geworden ist, so kommt in der Folge derEkel vor solchen Nahrungs-Mitteln immer wieder;und eben dies eräugnet sich, wenn man verschiedeneMahle verdorbenes Fleisch genossen hat, daS der Ma-gen nicht verdauen konnte. Ueberdieß kann das Ur-theil über die Unzweckmaßigkett gewisser Thiere zuNahrungs-Mitteln, welches bey Kindern entwedervon einem Religions-Verbothe, oder von dem Ab-scheus älterer Leute herrührt, einen so starken Einfiußauf das ganze Leben haben, daß dieser Widerwillesich durch nichts ausrotten läßt. Die Einbildung,die Mode und Gewohnheit können öfters den Na-tional.'
O Ueber die Leckereven, (Halle, 17«,?, g.) @. 7.
(") Hiß. anat. rar. Cent. J, p, IX»,