Band 
Sieben und sechzigster Theil, von Lebens-Art bis Lederz.
Seite
613
JPEG-Download
 

Lecker-Bissen. 613

wenig absolutes sie überhaupt haben mag, so ist dochin gegenwärtigem Falle entschieden, daß die Verän-derungen, die der Genuß wohlschmeckender Speisenin uns hervorbringt, uns zunächst auch wahres Ver»gnügen gewähren sollten, und daß es die Natur ver»leumden heiße, wenn man behaupten will, sie habedem Menschen zwar Ansprüche auf ein frohes Daseynverliehen, aber die Mittel dazu von allen Seiten ver»sagt. Man sollte denken, es verstände sich von selbst,daß die Fähigkeit zu genießen, auch eine Bestimm»ung dazu mit in sich schließt, sobald die Gegenständedes Genusses in der Natur anzutreffen sind. Diesesvon selbst versieben aber, welches nur die Sachedes gemeinen Menschen» Verstandes ist, war nie dieSache gewisser Köpfe, die sich und andere überredenwollen, wir hätten Füße um nicht zu gehen, eineZunge um nicht zu schmecken, Augen um sie nichtaufzurhun, u. s. w. Sie finden die Selbst.-Erhalt»ung im Entbehren und Dulden; und ob sie gleich vomWissen eigentlich nicht viel halten, so glauben sie dock),es könne wohl, eher noch als der Genuß, unsereBe»stimmung seyn. Das Mittel, wodurch sie alle Er-fahrung entbehrlich machen wollen, geht dann frey»lich auch über den gemeinen Menschen-Verstand;und auf diesen Sprung ins weite Blaue verstehen siesich allein.

Weit entfernt ihnen folgen zu können, scheint unsvielmehr alles hiernieden so in einander zu greifen,und Wechselsweise bald Wirkung, bald selbst wiederUrsache zu seyn, daß die Verfeinerung der Sinnlich-keit, mithin auch selbst die Leckerer), so wie sie nur beycultivirten Völkern entsteht, auch wieder ihrer Seilsdie allgemeine Aufklärung befördern muß. Ohnenoch auf irgend eine Lieblings-Hypothese Rücksicht zunehmen, geben rein historische Facta schon dieses Re-sultat. Die dümmsten Völker nähren sich auf die