Band 
Sieben und sechzigster Theil, von Lebens-Art bis Lederz.
Seite
614
JPEG-Download
 

Lecker-Bissen.

allereinfachste Art; die Lebens/Art der klügsten istam meisten zusammengesetzt. Die armen Feuerlän-der, die sich selten einmahl satt essen mögen, liessenauch die Reisenden in Zweifel, ob sie die wenigenVorstellungen, deren sie fähig schienen, zur Vernunftoder zum Instinct rechnen sollten. Wo giebtes rohereMenschen, als die bloß fleischfressenden Hirten-Völ-ker im östlichen Asien; wo schwächere, als die Indier,die größten Theils nur vom Reiß leben? Wie ver-schieden hingegen ist der Fall so manches handfestenund verständigen europäischen Bauers, der bey einergemischten Diät, so oft er sich gütlich thut, die bey-den Indien in Contribution seht, um zu seinem Hirse-Brey Zucker und Zimmet zu genießen.'

Noch weit fruchtbarer an Folgerungen ist aber dievon allen Physiologen anerkannte Wahrheit, daß dieEigenschaften der Speisen auch die Beschaffenheit derSäfte verändern, und folglich auf die ganze mensch-liche Organisation den wesentlichsten Einfluß habenmüssen. Schon die Krankheiten geben hiervon einsehr in die Sinne fallendes Beyspiel. Allein, die-jenigen Veränderungen, welche vermittelst der Diät,selbst im Gehirn und Nerven-System Statt findenkönnen, sind vielleicht viel zu subtil an sich,, und ge-hen auch zu langsam von Statten, als daß es möglichgewesen wäre, sie zu beobachten; und dennoch liegtschon in der ausnehmenden Zartheit des unbekanntenWesens, welches der Grund der Eigenthümlichkeiteines jeden Narur-Körpers ist, die Möglichkeit, daßes irgendwo in einem Körper, dem es einverleibt wird,sein analoges Plätzchen findet, und irgend ein feinesOrgan modificirt. Wir belachen heut, und glaubenvielleicht schon morgen an diese Art der Umgestaltungder Sinnes - und Verstandes-Organe; denn ein Pargenaue Erfahrungen wären hinreichend, sie ausserZweifel zu sehen. Selbst die Empfänglichkeit einer

Organ-