Band 
Sieben und sechzigster Theil, von Lebens-Art bis Lederz.
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Lecker -Viifm.

und weil ich mich einmahl bis zu jenem Nahmen ver-stiegen habe, den unser Zeit- Alter und das kommendemit Ehrfurcht nennt, muß ich seinen Lästerern noch sa-gen, daß gemeine Seelen, bey der ärgsten Lust aus-zuschweifen, oft aus Furcht enthaltsam sind, und sichzu einem feigherzigen Leiden verdammen, um nur nochlänger leiden zu können, indessen ein hoher Grad vonManns Kraft dazu gehört, Befriedigung mit Schmer;zu erkaufen.

Meine Leser werden mich hoffentlich bis hierherzu gut verstanden haben, um mir die Absicht beyzumes-sen, als ob ich ihnen ein Muster zur Nachahmungaufstellen, oder ihnen gar mit guter Manier zur Indi-gestion verhelfen wollte, da ich weiter nichts wünsche,als jedes Original in seinem Werthe gelassen zu wissen.Es sey immerhin wahr, daß Vollkommenheit imGleichgewicht der Kräfte liegt, und keiner größer jegenannt zu werden verdient, als der Vortreffliche, inwelchem alle Anlagen, Empfänglichkeiten und Triebe,sich gleichförmig entwickeln r so ist doch in der wirk-lichen Natur, wo alles von einer unvollkommenen Bild-ung und von äuffern Verhältnissen in den eisernenBanden der Nothwendigkeit gehalten, nur seine ge-messenen Kreise beschreibt, ein solches Ideal der Ab-straktion wohl schwerlich anzutreffen. Vielleichtkonnte, vielleicht wollte die Natur die'edeln Prädicate:Geistes - Größe und Majestät, nicht ohne Versehungmit einer niedern Eigenschaft ausstämpeln, und dergrößte König mußte vielleicht ein wenig lecker seyn, sowie seine Gold-Münze Kupfer enthält. Auch dürfte diereingute Menschheit, wenn sie in der Welt erschiene,mit den reinguten Harz - Gulden bald einerley Schick-sal haben. Gern überlassen wir daher der Dumm-heit ihren Wunsch, die ganze Menschen-Gattungnach ihren Lieblings - Gestalten zu modeln; und wenndie verwegene Herrschsucht, die mit schärferem Blicke