Band 
Sieben und sechzigster Theil, von Lebens-Art bis Lederz.
Seite
626
JPEG-Download
 

626

Lecker-Bissen.

dem leckern Gaumen nur höchstens noch Austern rohdarbierhen darf. Vermag die so gerühmte Zunft derwiener und pariser Köche, vermag das ganze Heer der(^onftleurs, Oclftllrncurs und Zucker-Bäcker, nurein Produkt der Kunst uns aufzutischen, dasdieseLe-ckereyen der Natur ersetzte? Was säume ich länger,ste zu nennen, diese köstlicheren Producte des Pflan-zen-Reiches, die edeln Früchte aller Art, wo der Ho-nig-Saft mit einer lieblichem Säure, mit feurigenoder mit schleimartigen Oehlen in tausend verschiede-nen Verhältnissen versetzt, durch unzählige Verän-derungen den Gaumen bald kühlend erquickt, baldmit Würze durchdringt, bald wieder die gereiztenNerven-Spitzen milde umhüllt und zu neuem Ge-nusse stärkt!

Mit Wohlgefallen ruhet das Auge des Forschersauf diesen zarten Pflanzen-Naturen; mit höhermEntzücken bemerkt er ihre erste Entwickelung, undverfolgt ihr wunderbares Wachsthum, bis er ihrereine, ätherische Nahrung erspähet. Indessen dasThier schon ausgebildete Körper verschlingt, sie zer-malmt, aus ihrem zusammengesetzten Safte sich er-gänzt, und ihre unreinen Uebcrreste von sich stößt,saugen diese feinen Röhr - und Zellen-Gewebe dieeinfachsten Elemente begierig aus der Luft. AuSSonnen-Licht und Aether-Feuer gewebt, wie sonstnur Dichter träumen durften, lacht unserm Blickedas sanfte Grün (*) der Wälder und Fluren; undseht! im unendlich zarten Geäder der Blumenkronenund der reifenden Früchte, glüht der siebenfache Licht-Strahl, und ziert die Pflanzen-Schöpfung mit sei-nem mannigfaltigen Farben-Spiele.

(') Die Entdeckung des berühmte» Ingenhouß, wovon ichim Art. Lichr reden werd«.