nun eine Masse von Erfahrungen, Kenntnissen, Gefchick-lichkcit der Hand und eine lange Vorübung vorausgesetzt,ehe es möglich ist, das neue Product zu fertigen. Sobilden sich sehr künstliche Gewerbe durch anhaltendenFleiß und stake Beobachtung. Was aber der Menschauf so mühsame Art errungen hat, will er sich auch er-halten und bewahren — er macht aus seinen Kenntnis-sen ein Geheimniß; die vorher zufällig vertheilt gewese-nen Gewerbe scheiden sich streng von einander. So bil-den sich Zünfte, welche sich ihre eigne Verfassung ge-ben und sich Privilegien zum Schutz ihrer errungenenVortheile auswirken. Das Wesen der zünftigen Gewerbebildet sich nun nach und nach zu einer unabänderlichenFormel aus, an welcher man, ohne nach den Gründender Erscheinungen zu forschen, gewissenhaft festhält. Durchihre äußere Abgeschlossenheit begünstigt, bilden sie eineneignen Stand. Ihren Ursprung aber, sowie ihre Abhän-gigkeit vergessend, und durch ihren Aufenthalt in Städ-ten von dem Landmanne getrennt, sehen sie stolz aufdiesen herab. Städter und Bauer werden Bezeichnungenfür Cultur und Uncultur. Die Behauptung, daß Rein-heit der Sitten und Cultur im umgekehrten Verhältnissezu einander stehen, bestätigt sich in diesen Zeiten. Im-mer neue Bedürfnisse entwickeln sich, während die altendem vielfachsten Wechsel der Form unterliegen. Dabeigewinnt jedoch die Betriebsamkeit. Erfindungstalcnt undGeschicklichkeit werden in gleichem Grade geübt. Indiesen Zeiten nennt man einzelne Gewerbe, welche einevorzügliche Geschicklichkeit erfordern, auch Künste. Abersowohl ihre größere Verbreitung, als der Verfall der
Sitten