544 Mühle.
Gast mehr einbüßen, als wenn er dem Müller vonjedem Scheffel «ine Metze gegeben hätte.
Eine zweyte Ursache der Betrügereyen in denMühlen ist die so sehr tadelnSwärdige Einrichtungder Müller unter sich selbst, daß sie das Metzendes Mahlgetreides ihren Gesellen und Burschenüberlassen, und auf diese Weise sich und die Mahl-gäste betrügen lassen müssen. Um ein gutes Mahl-geld zu erhalten, so metzt der Knappe oder Metzervon den 24 Säcken Getreide, die der Bauer bringe,nur i z bis 14 Säcke, und da in diesen 24 Säckenbisweilen Z6 bis 40 Scheffel Getreide stecken, somuß der Müller oft 24 bis 28 Metzen Lohn ein-büßen, oder zu dem Betrüge, wie oben gesagt wor-den ist, seine Zuflucht nehmen» und dem Mahlgastmehr nehmen lassen, als die ordentliche gesetzteMetze auSträgt. Freylich gewinnen hierbey dieBursche zuweilen mehr, als ihre Herren, wie diesesmanche Erfahrung lehrt.
Diesem so verhaßten Uebel kann nun freylichnicht anders, als von oben herab abgeholfen wer-den. Es muß schlechterdings den Bauern, Bäckernund übrigen Mahlgästen bey ernstlicher Strafe ge-bothen werden, den Müller Scheffel für Scheffelmetzen zu lassen, und nicht selbst Anlaß zur Be-trügerey zu geben. Es muß aber auch dem Mül-ler gebothen seyn, sein Mauserhier, den zweytenBurschen, abzuschaffen, und dem Mahlgaste, so balder seine gehörige Mehr erhalten hat, das Seinigrin Ordnung wieder zu geben. Ferner muß aucheine gewisse Ordnung für sämmtliche Mühlburschenerrichtet werden, wonach selbige im Zaum gehaltenwerden können. Denn wie setzt die Einrichtungund Verbindung unter ihnen in manchen Ländernist, so ist kein Mühlherr und keine Obrigkeit imStande, die Mißbräuche, die unter ihnen herrschen,
abzu-