II
Pferd.
frey. Wenn sie auch zuweisen auf der Weidefrey herum irren können, so tragen sie doch we-nigstens auch hier gewisse Merkmale der Knecht,schafr an sich und sind beständig mit grausamenAbdrücken der Arbeit und des Schmerzes be«zeichnet. Das Maul ist durch die vom Gebißverursachten Falten entstellet; die weichen Sei-tentheile des Leibes pflegen entweder vom Ge-schirr kahl und wund -gerieben, oder''von deinSporn verwundet und zerkratzt, die Hufe aberdurchaus um Nageln durchbohret zu seyn. Derbeständige Druck des gewöhnlichen Geschirresertheilet ihrem Keeper eine gezwungene Stel-lung. Man würde diese von Jugend auf ge-wohnten Fesseln ihnen vergeblich abnehmen, siewürden darum nicht freyer seyn. Selbst diejeni-gen welche in einer gelinden Sklaveren leben,die man bloß zum Staate oder zur Pracht un-terhält, und denen man goldene Fesseln, mehrzur B-'friedigung der Eitelkeit ihrer Herren,als zu ihrer Zierde anleget, werden durch ihrenKopfputz, durch ihre geflochtnen Mahnen, durchdie goldnen und seidenen Decken mehr, als durchihre Hufeisen, entehret.
Die Natur übertrifft alle Kunst an Schön-heit. In den freyen Bewegungen eines beleb-ten Wesens bestehet aber eigentlich die schöneNatur. Man betrachte die Lebensart jenerwilden Pferde, die sich im spanischen Amerika,den völliger Freyheit, so stark vermehret haben.Welch ein frener, unabgemessencr Gang! wieflüchtig! welche Sprünge! Stolz auf ihre rühm«^^höngigkelt, fliehen sie die Gegenwartund verachten seine eigennützigePflege Sie suchen und finden, ohne Anwei-sung, Unterhalt und Nahrung. Froh genießen