12
Pferd.
sie ihrer Freyheit und irren und springen aufunübersehbaren grünen Ebenen herum, welcheihnen freowillig den ungestörten Genuß der nahr-haften Reichthümer eines immer wiederkehrendenFrühlings anbieten. Ohne einen bestimmtenAufenthalt zu haben, ohne anderes Obdach, alswelches ihnen ein reiner, heiterer Himmel gewäh-ret, athmen sie Iline weit reinere, weit gesundereLuft ein, als in den gewölbten Pallästen, woman ihnen einen engen abgetheilten Raum zuihrem Aufenthalte anweiset. Aus diesem Grundesind auch alle wstde Pferde weit stärker, flüchti-ger und nervichter, als die meisten zahmen. Sieerhalten aus der freygebigen Hand der Natur,Starke und edlen Anstand. Den zahmen kanndre Kunst nichts, als eine gefällige Geschicklich-keit ertheilen
Die Pferde haben in ihrer Gemüthsartnichts Grimmiges,, nichts Grausames. Bloßwüthig und wild erscheinen sie in ihrer Freyheit.An Stärke sind sie zwar den meisten Thierenüberlegen; sie bedienen sich aber dieses Vorzugesnie, um andere anzufallen. Sind andere so ver-wegen, sich feindselig an sie zu wagen, so grei-fen sie zu einem von den drey Mitteln ihrerRache: sie verachten, verjagen oder lödten
ihre Feinde. Sie ziehen heerdenweise herumund vereinigen sich bloß um des Vergnügenswillen, das ihnen die Geselligkeit gewähret. AusFurcht hätten sie nicht nöthig, es zu thun. Esgeschiehet bloß aus gegenseitiger Zuneigung. Un-ter ihren Tritten wachsen mehr Kräuter undPflanzen empor, als die bloße Befriedigung ih-res Hungers nothwendig erfordert. Nach demFleisch der Thiere sind sie niemahls lüstern. Da-her pflegen sie weder mit andern Thieren, noch
unter