Pferd. 317
und Stuten. Von der Geburt an übertrifftein Hengstfüllen das Mutterfüllen an Starkeder Stimme. Nach zweyen oder nach dritchalbJahren bekommt die Stimme der Pferde, wennsie mannbar sind, bey Hengst? und Mutterfüllenwie bey den Menschen und bey den mehrestenThieren, eine vorzüglichere Starke und Tiefe.Wenn Brunst, Verlangen und Begierden einPferd beleben, weiset es die Zahne, als ob eslachte. Das thut eö auch, wenn es zornig istund beißen will. Zuweilen streckt es die Zungeaus, mn. zu lecken; aber lange nicht so oft, alsder Ochse. Obgleich dieser bey allen Liebkosun-gen weit unempfindlicher ist, so lecket er dochweit öfter, als das Pferd, welches eine übleBegegnung weit langer merkt und viel eher stu-tzig wird, als ein Ochse. Das hitzige lind mu«thige Naturell eines Pferdes strenget gleich an-fänglich alle Kräfte willig zur Arbeit an; wirdes aber gewahr, daß man es übertreiben will,so wird es trotzig und halsstarrig. Der Ochsehingegen ist von Natur langsam und träge. Daer seine Kräfte nicht gleich zur Arbeit aufbietet,so läßt er sich es eher gefallen, dazu angetrie-ben zu werden.
Der Schlaf ist bey Pferden ungleich kür-zer, als bey den Menschen. Ein gesundes Pferdwird selten zwey bis drey Stunden hinter ein-ander liegen bleiben. Es erhebt sich alsdann wie-der um zu fressen, und es muß außerordentlichermüdet seyn, wenn es alsdann sich noch ein-mahl niederlegen soll. Im Ganzen aber pflegtes Tag und Nacht hindurch höchstens nichtüber drey oder vier Stunden zu ruhen. Esgibt unter ihnen sogar einige, die sich niemahlslegen, sondern beständig im Stehen schlafen.
Das