Wiens ersteBelagerung durchM a th i a s. 2g
genblick der Gefahr. — Umsonst versuchte MathiaSalle Künste der Verführung. Seine Aufforderungs-schreiben mahlten die Vergessenheit und Verlassenheit,mit welcher der nach Linz geflüchtcte Kaiser seine Haupt-stadt ausgegeben habe, umsonst mit den schwärzestenFarben; vergebens breitete er eines Morgens plötzlichsein herrliches Heer in einer unübersehbaren Wagen-burg, mir Kriegsmaschinen und allem Zeug wohlge-rüstet vor den erstaunten Blickender Wiener aus, ivieeine plötzlich in letzter Nacht aus der Erde aufgeschos-sene Stadt. Vergeblich war sein Schwur, wenn dieStadt sich nicht in Zeiten ergäbe, des Säuglings an derMutter Brust nicht zu schonen, keinen Stein auf demandern zu lassen und da dieß Verfahren unter Chri-sten kauin erhört, an der Stelle der Gotteshäuser,die er in den Grund niederzubrcchen gedenke, demheiligen Stephan und Leopold noch prächtigere Tem-pel neu aufzubauen. Vergeben» nagte täglich empsind-licher der Mangel; vergebens rielhen selbst einigeDiener des Kaisers, an Mathias Abgeordnete zu schi-cken und die herrliche Stadt, die Friedrich so sorglosdem ersten Anlaufe blosgestellt, zu erhalten. All' die-se Lockungen und Lügen fande bey den Wienern keinGehör. Sie trugen vielmehr unverzagt jede Mühse-ligkeit und Gefahr. Alles, was Waffen tragen konnte,drängte sich auf die Wachposten und zu Ausfälle» inden Werd. — Mathias ließ nun ab, mit Gewaltder Stadr zuzusetzen; er verließ sich auf den Hunger,stärkte ftlne Brückenschanzen und gedachte zuvörderst.