Band 
Vierter Band.
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B o nfin's Gemählde von Wien. 3 y

die Straßen zieht, wohl wähnen möchte, er sey in-mitten eines grünen, lustigen Waldes. — Auf denMarktplätzen, Glissen und Kreuzstraßen wogt ein rechtgefälliges und lebendiges Leben. Die Kirchen und Stif-ter stehen herrlich da und in ungeheurer Verschwendung,vornehmlich St. Stephans Dom und Unserer FrauenKirche, wo billig Alles, worauf der Blick fällt, Be-wunderung erregt. Der Stephansthurm überschautnicht nur die ganze Stadt, sondern all' ihr Gebiethund noch die Gelande jenseits der Donau. St. Ste-phans Münster selbst ist achteckig, aus der ober» pyra-midalischen Gestalt, Hort es unten apfelförmig auf. DieHeiligenbilder und die herrlichen Kunstwerke aus Srein,werden in der Welt kaum überbothen. Die Priester-häuser , die Studienanstalten, die Mönchs- und Non-nenklöster mehren die Herrlichkeit der Stadt; betrach-tet man die Schottenabtey sammt der Kirche und eini-ge Paläste der Fürsten, so mag man allerdings glau-ben , der Stolz der Römer sey zu den Nordländerngewandert. Hierher haben jene Geschlechter ihre Fluchtgenommen, die zu Padua, zu Verona, zu Vicenzaund in der Lombardey weit und breit geherrscht. Hierhaben die Carraras, die Scaligers Häuser und hier pran-gen noch ihre Wappen; hier die Denkmahle vielerAdelsgeschlechter, deren Angehörige in den Romfahr-ten Friedrichs Barbarossa und anderer Kaiser, Bur-gen und Land in Italien erhalten und sich daselbst nie-dergelassen haben. — Vor den letzten verheerendenKriegen wurden ohne Kinder und unerwachsene Ju-gend , 5 o,ooo Seelen und 7,000 Studenten ge-