68 Die Übergabe.
Werkzeuge jeder Veränderung, die Juden, dachten sichauch bey Mathias recht warm einzunisten, irrten sichaber sehr. Er trug einen, von seinem Vater ererb-ten , fanatischen Hasi gegen sie und vertrieb sie, wieer einen Ort erobert, bey Lebensstrafe, aus Korneuburg,aus Klosterneuburg, aus Wien. Er warf ihnen Münz-verfalschung, Agiotage und Kreuzung seiner Poli-zeyanstalten vor. So abergläubisch und bey aller lln-erschrockeziheit in Schlacht und Gefahr so ängstlich erbey der geringsten, Unpäßlichkeit war, dursten sichdennoch, jüdische Ärzte und Wahrsager vor ihm nichtblicken lassen. Kurz vor seiner ersten Belagerung wärewegen eines israelitischen Arztes von großem Ruf,dem Alles zulief, bald ein blutiger Aufruhr entstanden,wobey das Volk den Rath der größten Parteylichkeitund der Verletzung der noch immer in Kraft bestehen-den Satzungen wider die Juden anklagte und sich nurdurch die augenblickliche Verbannung jenes Asculap unddurch die Erklärung besänftigen ließ: man bedürfe keinerjüdischen Heilkünstler. Mit den vorhandenen e i l f christ-lichen Ärzren sey Wiens Bevölkerung zur Genüge ver-sehen. — Als nach Mathias Dode, Maximilian ausSteuer trat, fuhr er mit gleicher Strenge gegen dieJuden fort: „wegen Entführung und Ermordung derEhristenkinder, Wucher und Betrug, Verfälschungder Briefe und Jnsigel."
Die letzten fünf Jahre seines thatenreichen Lebensbrachte Mathias meist in Wien zu.Seine Gesundheit warerschütternder Körper immer schwerfälliger, vom feurigenGeist verzehrt, gleich einer an beyden Enden zugleich an-gezündeten Fackel. Die letzten Belagerungen, häufig