D i' e Idee des europ. Gleichgewichts. 85
VIII. , bald darauf auch die, über Neapel, über Ve-nedig, über die Lombardey, zu Blois, zu Mecheln,zu Cambray geschlossenen Theilungsverträge,warfen einen Funken sorgenvoller Aufmerksamkeit in alleGemüther. Bis jetzt hatten die Fürsten nur getrachtet,„Herrn im eignen Lande" zu werden und die eifersüch-tige Parteywulh der verschiedncn Stande wider ein-ander zur Gründung der Alleinherrschaft zubenutzen. Die Mittheilungen von Volk zu Volk, dieTheilnahme des einen am Schicksal des andern, warnoch sehr gering. Die Staaten schienen nur eine, durchdas täglich mehr aufgelockerte Band des gemeinsamenVarers und Vormunds zu Rom, unsicher und un-gleich verbundene Inselgruppe. Aber der überraschendschnelle Fall des Throns von Neapel dröhnte weithinerschreckend nach. Er entwickelte die Überzeugung : einGleichgewicht d e r M a ch t sey nothwendig, aufdaß die Gewaltigsten sich mäßigen, die Schwächer!!aber ohne jene reitzen zu dürfen, dennoch gegen will-kührliche Vergroßerungsplane, schützender Bündnissegewiß seyn konnten.— Maximilian, Ferdinand derKatholische (für den Columbus die neue Welt entdecktund der so eben die Mauren nach beynahe öoojährigerHerrschaft, aus ihrem letzten Sitz, Granada, ver-trieben,) Alexander VI. , Borgia, der ganzen Chri-stenheit ein Ärgernis;, der von Neapel nach Sicilienverjagte Konig Ferdinand , der Doge Venedigs undLudwig Ssorza traten in einen Bund zusammen undCarl verließ und verlor Neapel eben so schnell ivieder,als er es überschwemmt hatte.