i 56 Städtische S a tzu n g e II und Sitten.
der Handel, die Sitten, geben viele denkwürdige Zü-ge, aber seine Geschichte als in sich abgeschlosse-nes M u n i c i p a l w e s e n wird immer dürftiger undmuß es werden, da, wie gesagt, die Stadt sichmehr und mehr im Staate verlor und ihre Rechtein dem mehr und mehr sich erweiternden Kreis derRegalien dunkelten und schwanden. — Eine neueLuxus - und Kleiderordnung gehört zu Leopolds frühe-ster Verfügung. — Seit 20 Jahren (1. Dec. 1640)hatten die Po r t ug i e se n das spanische Fremdlings-joch abgeworfen und Johann l^. vom Hause Braganzaauf den Thron gesetzt, schon saß sein Sohn Alphons I V.auf demselben, da erging zu Wien, bey dem engenBunde mit dem Madrider Hofe, (i 5 . Dec. 1660)unter Strafe des Hochverraths das Verboth, „denHerzogen von Braganza, so heutiges Tages die all-dortigen Völker unterdrücket und zu Behauptung sel-biger Rebellion, allermöglichsten Fleiß und Kräf-ten anwenden wird," um so minder den geringstenVorschub zu thun, als Philipp IV. in starker Kriegs-verfafsung „zur Recupcrirung Portugalls" begriffensey! — Das allgemeine Waffentragen hatte viele un-angenehme Folgen. Die Verordnungen gegen dasSchießen in den Weingarten, ja in der Stadt, muß-ren unaufhörlich erneuert werden. Zwischen den Stu-denten, Soldaten und Juden fielen häufige Thätlich-keiten vor. Die sogenannte Paffions - und Buß-Pro-ceffion, mit vielen theatralischen Darstellungen ausdem alten und neuen Bunde, am Freytag vor demPalmsonntag üblich und wegen verschiedener Unan-