174 D i e N o t h.
in die Stadt selber getragen. Doch Starhembergs unddes Stadtrathes Wachsamkeit wendeten das encsetzli-che Unglück ab. — Überhaupt geht es beynahe überallen Glauben , was Starhemberg binnen der sechs Ta-ge geleistet, welche die Türken von dem versteinern-den Schrecken des 7. July bis zum i5. Mittags denWienern gelassen ! — Thierische Selbstsuchr und knech-tische Furcht schienen verschwunden und Alles nur mehreine einzige Familie, fest entschlossen, Gefahr und Nordbrüderlich zu theilen, mit einander zu leben und zusterben.
Die Morgensonne des 14. July beschien eine un-geheure Stadt vor der Stadt, ein Meer von Gezel-ten (25ooo glaubte man vom Walle zu zahlen) undeine von Menschen und Pferden, Kamehlen und Maul-thieren und jeder Gattung Schlachtviehes wimmelndeWagenburg. An der Statte, wo vor 64 Jahren desfrechen Thuen Geschütz, Tod und Zerstörung indicBurg geschleudert, bey St. Ulrich, ragte jetzt dasZelt des G r 0 ß w e s s i r s K a r a M u st a p h aschimmernd empor, grün wie die Hoffnung des Sie-ges , in Gold und Silber stolzircnd, aus dem Raubder gefallene» Städte und Länder, Wände und Fuß-böden mit den prächtigsten Tapeten geschmückt, abge-theilt in mehrere Gemächer zum Kriegsrath und zumGebeth, zur prunkenden Audienz und zu Bad undRuhe. Edelsteine, in allen Farben blitzend, Perlen,edle Metalle, Lmmmel und Seide waren daran ver-schwendet, im Werth weit über eine Million. Im in-nersten Gemach war die heilige Fahne des Propheten.