Joseph I- 249
dem kältesten Unglauben keinen Zweifel mehr übriglaßt, daß die Hand der schützenden Vorsicht vorzugs-weise über dieses Land und über diese Stadt, wehrendund segnend walte und inmitten der tobendsten Wetter-nacht dem Österreicher niemahls erlaubt sey, zu zwei-feln , zu verzagen! —
I 0 sephs Äußeres war angenehm und lebhaft!Erst die vielen Jagden gaben seiner, beynahe weibli-chen Schönheit, ein männliches Ansehen. Sein freyes,anmuthiges Wesen stand im seltsamen Widerspruchmit der spanischen Mauteltracht und burgundischen Hof-sitte, deren er sich bald entledigte, wiewohl sie Leo-polden für die Würze des Lebens gegolten. Schon alsKronprinz besaß er eine ungeheure Popularität, dienicht selten der Gegenstand ungegründcter Eifersuchtwar. Vortreffliche Lehrer und eine, seitdem Knaben-alter sichtbare, glückliche Concentricität des Geistes,ließen ihn nie im D e t a i l untergehen. Immer traf erdas Wesentliche, das Nothwendige aus denersten Griff, mit unzersplitterter Kraft, fort undfort auf einen Punct hinwirkend und seine Feldherrnund seine Bundesgenoffen, vom Kabinet aus, mitsolch planvollem Feuereifer unterstützend, daß Öster-reich unter ihm die höchste Stufe kriegerischen Ruh-mes erstieg. — Er ga b Gewalt, forderte aber auchVerantwortlichkeit. — Obgleich aus Leiden-schaft Soldas und zwey Mahl glücklicher Eroberer Lan-dau's, ließ er dennoch des gesammten Kriegswesens un-umschränkte Leitung dem großen Eugen mit unbe-dingtem, ja untergeordnetem Vertrauen. Er liebte