Band 
Fünfter Band.
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Der Feind vor Wien. 27

das über Budweis, Zwettel und Horn herabrückendeHauptheer noch zeitlich die Donaubrücke gewinnen unddie Rettung des Staates unter den Mauern dieserStadt erstreiten würde? Aber aus gleichem Grundebrannte auch Napoleon das Herz nach Wiens rascherBesitznahme. — Unter dein mildesten Scepter, denBestrebungen des Erwcrbfleißes, den Bedürfnissendes Wohlstandes hingegeben, beynahe durch ei» Jahr-hundert nimmer ernstlich bedroht, der Sitz des Ho-fes , der Zusammenfluß der Großen und der Reichenaus allen Provinzen, schien Wien trotz der Vorberei-tungen von 1797 und 1800, die ernstlichen Rücksich-ten auf die Erfordernisse militärischer Haltbarkeit alsFestung verzichtet zu haben. Sie war i 8 o 5 nicht inAnschlag gekommen, trotz der nicht so fernen Möglich-keit eines Entsatzes durch die Russen, oder durch denErzherzog Carl. — Jetzt da der Feind schon am 9.May vor den Thoren erschien und das Hauptheer nochweit oben im Viertel ob dem Manhardsberge stand,war es freylich schwer, durch Wiens Besitzhaltungden Feind am Donauübcrgang zu hindern.

Am 4. May verließ die Kaiserinn mit der aller-höchsten Familie Wien. Es geschah das Unmögliche,was binnen acht Tagen geschehen konnte. Es wurdenFreywillige und der Landsturm aufgebothen, die Wäl-le mit Kanonen besetzt, die zu nahen Gebäude amrothe» Thurm und Schanze! abgebrochen. — Die Ver-wirrung war groß. Unaufhörlich flulheten die Durch-märsche und die Einquartirungen, die Zufuhr der Ap-provisionirung, die Vertheidigungsanstalten, dieOr-