zz6 Samenausartung.
Die Gesundheit des Saatkorns leidet, wennes sich zu frühzeitig gelegt hat, und es folglich in die-sem Zustande, da die Halme eingebrochen und dieAehren an der Erde gelegen, aus Mangel des Nah-rungssaftes, der in seinem Lauf im Halme herauf,gehemmt worden, wie auch aus Mangel des freienDurchstreichens der Luft, nicht zu der Vollkommen-heit gelangt, welche das stehende Korn erreicht. Dasgesunde Korn leidet ferner, wenn sich in d»r Scheueroder auf dem Boden, der sogenannte Brand an dastselbe gesetzt hat. Der Weizen ist dem Brande ammeisten unterworfen, und er verräth sich bei den Kör-nern durch die schwarzen Spitzen. Würde man nundergleichen Weizen säen, so würde man keinen ge-sunden Samen wieder einerndten.
Der Landwirth muß sich daher hüten, kein La-gerkorn und kein Brandkorn zu säen.
Zweitens muß der Same vollkommen reif seyn;denn wenn das Getreide, ehe es gehörig reif ge-worden, eingeerndtet wird, so erreicht es nicht seinegrößte Vollkommenheit. Uns Deutschen, die wiralle übrige Nationen, die Engländer ausgenommen,im Landbau übertreffen, darf man es nicht vergeben,wenn wir die Gerste, vorzüglich aber den Hafer, sel-ten zur völligen Reife kommen lasten; denn kaumhat der Hafer sich angefangen zu färben, so sind wirauch schon mit der Sense hinter ihm her, -und lassenihn, damit er seine Säfte, die er noch hat, verliere,
1 4 Tage, drei und mehr Wochen in Schwaden lie-gen, in der thörigten Meinung, der Thau, der ab-wechselnde Regen und der Sonnenschein, sollen nundie Vollkommenheit bei den Körnern bezwecken, diewir ihnen auf dem Halme zu erreichen nicht gönnen.Giebt es wohl einen ungereimteren und widernatürli-cheren Satz, als diesen? Nm die Säfte, welchedie Wurzel aus der Erde zieht und durch den Halm
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