Samenausattung. 34 r
nen Wiesen wird, wenn man dessen Samen auf eineniedrige nasse Wiese bringt, zu sogenanntem sauremGrase und Schilf. Die warmen Anger und Wiesensind oft reich mit Klee besetzt, den man auf nassem,magerm und kaltem Boden vergebens suchen wird,weil die Gute und Fruchtbarkeit des Bodens auseiner schlechten Graöart eine bessere, Magerkeit,Nässe und Kälte aber aus dieser wieder schlechtesGras macht. Wenn mansch davon überzeugen will,so darf man nur auf einen magern und kalten Wie-senplatz einen Dünger, es sey Mist, Mergel oderAsche bringen, so wird dieser gedängtePlatz den Som-mer reich an gutem Graswuchs seyn; so wie mit derZeit dieser Dünger aber wieder erschöpft ist, so wichsich auch das gute Gras wieder verlieren und indas vorige schlechte ausarten; allein daß Gerstein Hafer, Weizen in Rocken, Rocken in Trespeverwandelt werde, ist eine Chimere, wie das Goldma-chen bei den Alchymisten.
Daß übrigens das Versetzen der Arten nachmehreren Jahren, um sie wieder in einem neuen Bo-den zu veredlen, gut seyn kann, leidet wohl keinenbedeutenden Zweifel. Die Engländer sind von dieserWahrheit so sehr überzeugt, daß sie alle drei Jahreihren Samen mit andern, den sie aus Polen undRußland kommen lassen, erneuern. So ziehen dieSchweden den rothen Rocken, der bei ihnen gewöhn-lich ist, aus Finnland, weil sie aus Erfahrung wissen,daß alles nordische Getreide besser gcräth, als dasje-nige, was bei ihnen wächst; es reift eher, und giebtmehr Ertrag.
In den Gegenden Frankreichs hat man dasVerfahren der Engländer erst zu Ende des verwiche-nen Jahrhunderts nachgeahmt, und den Hafer,Rockenund die Gerste aus der Fremde gezogen; auch erneuerteman den Samen mit den besten Getreidekörnern ent-
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