294 Bildhauerkunst.
In Italien war die Bildhauerkunst schon vor Er.hauung der Stadt Rom, und zwar vornämlich in Heiru-rien, vorhanden. Für die Hctrurier war Griechenland undbesonders Athen die Lehrerin in der Bildhauerkunst. Dieersten Anfangsgründe derselben scheinen die Hetrurier durchdie Auswanderung der Tyrrhenjschen Pelasger und mehre,rer Athenienser, kurz vor dem Zuge der Argonauten, undsechs Jahrhunderte später durch eine andere griechische Ko»lonie, vorzüglich auch durch die Flucht des Dädalusvon Athen nach Kreta, und von da nach Italien, erhaltenzu haben. Die Hetrurier machten früher Fortschritte indieser Kunst, als die Griechen, weil letztere die Rübe nichthatten, welche die Hetrurier genossen; doch brachten siees darin» nicht so weit, als nachher die Griechen. W i n»kelmann unterscheidet bey den Hctruricrn drey verschiede,ne Stile in der Bildhauerkunst, wovon der dritte eineNachahmung des schönen griechischen Stils war. DieHetrurier machien ihre Götzen von Marmor und Erz, vondenen noch einige übrig sind. Bey ihnen hatte die Bild-Hauerkunst einen weiter» Umfang, als bey den Aegypticrn.Sie hatten nicht nur vielcrley Bilder der Gottheiten vonhieroglyphischcr Bedeutung, und mancherley Bilder, wo-durch ihre religiöse Begriffe sinnlich vorgestellt wurden; soruLern auch politische und sittliche Gegenstände beschäftigtendie Bildhauerkunst. Eine Menge historischer Bilder ausder ältesten Geschichte ihrer Stammvärer, und unzähligeVorstellungen, die sich auf das sittliche in ihrem Cbarakierund in ihrer Lebensart beziehen, sind »och jetzt vorhanden.Auch ihre gemeinsten Gerälhe und Gefäße halten etwasBildliches an sich, das gewisse religiöse, politische odersittliche Begriffe erweckte. Indessen hatten die Vorstcllun»gen der Hetrurier doch wenig mehr als hieroglyphischeBedeutung.
Nach einigen erhielten die Griechen die ersten Begriffeder Bildhauerkunst von den Aegypticrn, welches aber von
andern