Bildhauerkunst. 507
ccne aus Gold und Elfenbein, welche den großen Werke»dcS Phidias nur darin» nachgab, daß sie weniger reichund weniger kolossalisch war. Sein Herkules, der dieLer-ncische Schlange tödete, wurde vom Cicero bewundert.J>n Allgemeinen zeichneten sich seine Werke durch Größe,Würde und Schönheit der Hände auS. Der LeoutlnischePythagoras war nach PliniuS Meynung der erste,der die Haare mit Kunst ausdrückte; er bildete die Statueeines Lahmen, den man für den Philoktet hielt, undiLv nicht ohne Mitgefühl des Schmerzes , den.er zu empfin-den schien, ansehen konnte. Der dritte oder schöneStil der griechischen Bildhauerkunst fängt mit dem Pra-xiteles an, und erlangte durch Lysippus undApcl-les seinen höchsten Glanz. Die vornehmste, auszcich-'ncndste Eigenschaft dieses Stils ist Grazie. In der Zeich-nung dieses Stils wurde alles Eckige vermieden, was bis-her noch in den Statuen großer Künstler, als dcsPoly-kletus, geblieben war, und vorzüglich schreibt man die-ses Verdienst dem Lysippus zu, welcher nur das in derNatur nachbildete, was sie Sanftes, Reines, Fließendesund Angenehmes hat. Die Forme» und Umrisse warenweich, fließend, wellenförmig. Die gefälligere Graziewurde in der Mahlerey erzeugt, und durch sie der Dildnc-rey mitgetheilt. Parrhasius, ein Zeitgenosse des Pbi-dias, wurde durch sie unsterblich, dem Apelles theilte siesich im vollen Maaße mir, und ein halbes Jahrhundertnach dem Parrhasius athmete sie vorzüglich in allenWerken des Praxiteles. Die gefällige Grazie desschönen Stils milderte das Laute und Ungestüme der Lei-denschaften, die größte Pein'blieb im Lnokoon verschlossen,und die Freude schwebte wie eine sanfte Luft auf dem Ge-sicht einer Lcukolhca im Kapitolio. Der Olympische Ju-piter des hohen Stils hatte eine Art von Grazie, aber siewar nicht gefällig, sondern streng, ernst und majestätisch.Ilm ein deutliches Bild von der erhabenen Grazie nnhohen Stil, und der gefälligen deS schönen Stils