Mahlzeiten. 355
vorgelesen wurden. Bey großen Gastmählern wurde auchgesungen, wobey die Troubadours zu ihrer Zeit eine großeRolle spielten; sie sangen und spielten die Harfe.
Alle Geschichtschreiber stimmen übcrcin, daß die Gal-lier große Esser waren. Auch die Franken hatten diese Ei-genschaft. Unter den ersten Königen wurde bey den Mahl-zeiten die nämliche Ordnung beobachtet, die die Römer ein-geführt hatten; den Anfang machten Gemüße, theils roh,«Heils in Salaten, um den Appetit zu rcitzen, auch fi ngman an mit Weintrinkcn, und aß Eyer dazu. Der zweyteGang bestand ganz aus Fleischspeisen, die in Pyramidenaufgetischt wurden. Daö Schweinefleisch hakte hicrbeyden ersten Rang. Beym letzten Gange trug man Backwcrkund Früchte auf. Karl der Große, der in seiner Le-bensart sehr. mäßig war, ließ sich nur vier Speisen und ei-ne Schüssel Wildprct auftischen. Unter der RegierungLudwig des Heiligen und seines Enkels, PhilippdeS Schönen, fieng man an, die Gange in Gerichteund Zwischengecichte („retL et abzutheilen.
Philipp, um den Luxus bey der Tafel einzuschränken,gebot, daß Niemand bey einer gewöhnlichen Mahlzeitmehr als «in Gericht und ein Zwischcngericht, und beyaußerordentlichen mehr als zwey Gerichte mit einer Speck-Porage haben sollte.
Die Pracht bey den königlichen Gastmählern war zuallen Zeiten sehr groß. Man liest in der Chronik des A l-bcriks von einem prächtigen Feste, das bey der Vermäh-lung Roberts, eines Sohnes Ludwig des Heili-gen, mit Mahaut, Gräsin von Arkois und Tochterdes Herzogs von Trabant, im Jahre 12Z7 gegeben wurde,wo man die niedlichsten Speisen auftrug, und die vornehm-sten Gäste während der Mahlzeit mit sonderbaren Schau-spielen unterhielt. Man sahe einen Mann zu Pferde aufeinem ausgespannten Seil reiten, an den vier Ecken desSaals befanden sich Splclleute, die auf mit Scharlach be-
§ r deckten