H4
Säulenordrn'.ng.
anlassung zu dieser Erfindung war folgende: die Stadt Ea»rya im Peloponncs hatte sich mit den Persern in ein Bund«niß wider die Griechen eingelassen; die Griechen erober-ten daher die Stadt Carya, ermordeten alle Männer,und führten die Weiber gefangen weg. Zum Anden-ken dieser Begebenheit ließen die Baumeister Frauen-zimmer in Kleidern auS Stein hauen, und gebrauchtensie als Säulen. "
Die toscanische Säulenordnung ist der Erfindungnach die vierte, aber der Kunst nach die erste, weil siedie einfachste oder schlechteste ist. Sie wurde im tosi»canischen Gebiete erfunden, woher sie auch den Namenhat. Einige meynen, sie sey von einem griechischenKünstler erfunden worden, Andere aber erzählen, daßdie toscanischen Völker in Italien die dorische Ord-nung, jedoch ganz stark und schlecht, nachgemacht hät-ten, welche Art dann die toscanische Ordnung genanntworden wäre, die sehr dauerhaft und geschickt war, einegroße Last zu tragen. Sie hat zum Kennzeichen nureinen einzigen Pfuhl am Säulenfuß und am Kapitalvon kleinern Gliedern nur Riemen, auch am Friesekeine Lriglyphcn. Sie ist also ohne alle Verzierun-gen und hat weniger Glieder als die dorische Ord-nung. "
Die Römer richteten sich anfangs nach der Art, wieihre Nachbarn, die Toscancr, baueten. In der Folgenahmen sie die drey griechischen Ordnungen an, undbey der corinthischen bedienten sie sich der Oliven-und Eichenblätter statt der Bärenkleeblätter. Endlichaber wollten sie selbst eine Ordnung erfinden, und soentstand die Ordnung der zusammengesetzten Säulen,worin die Römer das erste Beyspiel gaben, daher auchdiese Ordnung die römische oder italienische genanntwird; sie ist sowohl der Erfindung, als auch der Kunstnach die fünfte Ordnung, doch geben ihr diejenigen den
vier-