Todtenhaus
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Todtenhaus, Leichenhaus, ist ein Gebäude, inwel.chem die Verstorbenen un offenem Sarge, in einemtemperirten und des Nachts erleuchteten Saale, so langeunter der Aufsicht eines Wächters stehen, bis man anden Leichnamen die Zeichen der Verwesung wahrnimmt.Diese nützliche Anstalt dient dazu, das Lebcndigbegrabender Schcintodten zu verhüten und ist um so viel wichti-ger, da es nicht an Beyspielen fehlt, daß Menschen, dieman für todt hielt, begraben wurden und an denen dochnachher Beweise gefunden wurden, daß sie im Grabe wie-der einige Zeit zum Leben gekommen waren. Beyspielevon Schcintodten findet man schon in alten Zeiten. Lu-cius Aelius Lamia, der 7 n n. R. E. Prätor war,starb, wurde auf den Scheiterhaufen gesetzt, und alsman diesen anzündete, wurde Lamia durch die Bewe-gung des Feuers wieder lebendig/ ^ AsclcpiadeSaus Prusium in Vithynien, der zur Zeit des Mithri«dates lebte, brachte einen Todten, der schon auf demScheiterhaufen lag, wieder ins Leben- ^ Auch in neue^ren Zeiten fehlt es nicht an Beyspielen von Scheintodren.In einem Dorfe in Pvitou lag eine Frau an einer schwe-ren Krankheit darnieder und verfiel in eine Schlafsucht.Man hielt sie für todt, wickelte sie in ein leinenes Tuchund trug sie ohne Sarg, wie es dort Sitte war, zurGrabstätte. Die Träger kamen an einen Dorncnbusch,wo die Frau von den Dornen gerissen wurde und wiedererwachte. Erst nach ig. Jahren starb sie und als die Trä-ger an den Ort kamen, wo sich die Frau an den Dornengerissen hatte, rief der Mann den Trägern etliche Mal zu:kommt der Hecke nicht zu nahe! ^ Ge llert hat dieseGeschichte vortrefflich besungen. — Eine Goldschmieds-frau wurde in Dresden begraben; der Todtengräber grubsie des Nachts aus, um sie zu bestehlen. und als er ebendamit beschäftiget war, den Dicbstahl zu begeben, er-wachte die Frau und kam in der Nacht nach Haute. *