Band 
Hundert und zwei und fünfzigster Theil, welcher die Artikel Sege bis Seihezeug enthält.
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Seide und Seidenbau.

den Fenstern, etwa 5 bis 6 Fuß hoch, aufhängt. Auchaußerhalb des Fensters muß ein solches Instrument an-gebracht werden, damit man wisse, welcher Wärme-grad im Freien herrscht, und ob man durch Einlassender Luft die Temperatur im Zimmer erhöhen oder ver-mindern kann. Nach einer Angabe des Herrn Fabriken-Commissions-Raths Weber *) soll man bei heiterenund schönen Tagen, wenn das Thermometer früh 9 Uhrim Schatten am Fenster wenigstens 14 Grad zeigt, dasZimmer nicht heitzen, sondern nur ein Fenster» öffnen;wenn das Thermometer aber früh 6 Uhr 9 Grad zeigt,so wird das Zimmer zu 14 — 15 Grad geheißt.Der Landmann und Bürger, welche sich mit diesem In-dustrie-Zweige beschäftigen, dürfen die dazu bestimmtenGemächer rc. nur so warm erhalten, wie sich die Tempe-ratur der Luft im Freien an einem schönen, nicht heißenSommertage zeigt. In den Sevennen, wo der Seiden-bau größcentheils von Landleuten betrieben wird, findetman nur selten einen Thermometer, und dennoch wissendie Landleute dort ihren Raupen die diesen zusagendeTemperatur zu verschaffen, welches hier blos Erfahrungund Aufmerksamkeit an die Hand giebt. Die zu niedrigeTemperatur erhöht man durch Einheißen, jedoch daßman hierbei vorzüglich auf die Feuerung sehe, daß solchesnicht zu schnell geschehe; denn eine zu schnelle oder plötz-liche Temperatur-Veränderung ist den Raupen nach thei-lig. Am besten ist es wohl, wenn man diese Temperatur-Veränderung durch das Einströmen der äußern Lufthervorbringt, weil diese auf das Wohlbefinden derRau-pen einen ganz vorzüglichen Einfluß hat; man berück-sichtige aber dabei das Regenwetter oder eine feuchteLuft. Eine zu erhöhete Temperatur kann man dadurchvermindern, daß man die Fenster auf der Schattenseite

*) Praktische Anleitung zum Seidenbau. Berlin, 1327 .S. 2A.