130 Seide und Seidenbau.
blos mit Blättern von ganz jungen Bäumen versorgt,und sie haben sehr gute Cocons gesponnen. Nur eineneinzigen Tag hat er ihnen, blos vorzugsweise, Blättervon alten Bäumen gegeben. Hier kommt es nun aufeine sehr genaue, mehrjährige Beobachtung an, ob diehier angeführten Sätze sich wirklich in der Erfahrungso verhalten, und ob nicht vielleicht hier etwas andresnoch eine Einwirkung zeigte. Nach Haumann solllen die Blätter von großen alten Bäumen ihnen imdritten Alter am meisten zusagen; daqegen die Blattervon jungen Maulbeerbäumen und Maulbeerhecken inden beiden ersten Altern.
In welchem Zustande man die Blätter verfütternsoll, ob ganz, oder zerschnitten, ist in früheren Zeitenlange ein Gegenstand des Streites gewesen. Behn ke*)sinket daß Zerschneiden der Blätter durchaus für schäd-lich, weil die durch das Zerschneiden bewirkte Nässe derBlätter nachtheilig auf die Raupen wirke; auch dieRaupen sich bisher von dem aus den zerschnittenenBlättern hervordringenden Safte nähren, und dieBlätter selbst nicht mehr fräßen, was ihnen ebenfallssehr nachtheilig sei. Der Plaükagen-Jnspecktor Dre-weS **) empfiehlt dagegen das Zerschneiden der Blät-ter, in dem Fall, daß man nicht junges Laub ausBaumschulen oder Hecken zur werteren Fütterung habe.Man müsse dann aber das Laub von alten Bäumen,wozu jedoch immer das Jüngste ausgesucht werdensollte, mit einem scharfen Messer in schmale Streifenschneiden, und die Würmer damit überlegen. Nachneueren Erfahrungen soll eS nicht nur nicht schädlichseyn, das Laub zerschnitten-denMaupen zu reichen, son-
» *) Der Seidenbau und die Maulbeerbaumzucht. Berlin,»794, S. »og.
**) Neue Vorschlage die Maulbeerbaumzucht und denSeidenbau mit Erfolg und Vortheil zu betreiben.Breslau, Brieg und Leipzig, 178z, S. 85-