135
Seide und Seidenbau.
ist daher sehr nöthig, sie auch nicht während der Nachtohne Futter zu lassen, und dazu sind die oben angeführtenFütterungszeiten sehr zu empfehlen. UebrigenS bindenüch die meisten Seidenraupenzüchter in Rücksicht derFütterung an keine strenge Zeit, sondern reichen denRaupen Futter, wenn sie das ihnen früher Dargereichtevöllig verzehrt haben, so daß nur noch die Rippen derBlätter übrig sind, jedoch nicht eher, als eine oder an-derthalb Stunden nach dieser Zeit.
Statt der Blätter des weißen Maulbeerbaumrs katmman sich auch der Blätter des schwarzen, desrothen, deö Tartarischen, deöOstindischen rc.Maulbeerbaumes bedienen, stoben, S. 72, indessenstehen sie doch denen des weißen Maulbeerbaumes nach;denn wenn gleich die Seidenraupen beim Füttern derzuerst genannten Blätter keinen Unterschied zu machenscheinen, sondern sie eben so gern fressen, als die letzteren,so liefern diese mit den verschiedenen Abarten, doch einebessere Seide, wie viele Seidenraupenzüchter beobachtet,und Seidenfabrikanten in der Anwendung wahr befun-den haben.
Surrogate oder stellvertretende Nah-rungsmittel des weißen Maulbeerbaumes.So wie man überall theure Nahrungsmittel oder andereMaterialien durch wohlfeilere, ihnen ähnliche zu ersetzensucht, so hat man auch hier gesucht, andere wohlfeilereNahrungsmittel an die Stelle der Blätter des weißenMaulbeerbaumes zu setzen, und es verlohnte wohl, wenneö möglich wäre, aller Bemühungen, die man sich indieser Hinsicht gäbe, wenn man nur an'S Ziel kommenkönnte. Denn schon die Mühe und Zeit kostende An-pflanzung des Maulbeerbaumes, der erst nach 6 — 8 Jah-ren, auch wohl noch länger oder vielmehr später, demSeidenbaue seine Schätze liefert, macht solches wün-schenöwerth. Es müßte ein Surragat seyn, welches mitweit weniger Mühe und Zeitverlust dieselben Dienste