Seide und Seidenbau. 145
ausgesetzt, oder in ein luftiges ungeheitztes Zimmer ge-bracht, und so gestellt, daß sie nicht von der Sonne be-schienen werden und keinen starken Wechsel der Tempe-ratur erleiden, welcher den Eyern schädlich sein soll, wiees derselbe Fall bei den Raupen ist. Hier bleiben sieeinige Tage stehen und werden täglich ein Paarmal mitdem Rührspatel, mit einer Feder, oder mit sonst einemInstrumente von glattem Holze vorsichtig umgerührt.Dieses Umrühren geschieht auch, wenn Man die Eyermit dem Papiere, worauf sie gelegt worden, der Luftaussetzt. Sind sie aber auf Leinwand gelegt wor-den, so wird auf folgende Weise mit denselben ver-fahren. Die Leinwand wird mehrfach zusammengelegt, in einem Eymer mit kaltem Brunnenwassereinige Mal senkrecht unter getaucht, und darin 5bis 6 Minuten gehalten, bis sie ganz vom Wasserdurchdrungen ist; dann wird sie herausgezogen undüber dem Eymer abtropfen gelassen. Nachdem dasWasser gehörig abgelaufen, so breitet man die Leinwandmit der Eyerseite nach oben zu auf einem Tische aus,hält sie auf der einen Seite mit der Hand fest, und lä-set die Eyer mit dem Eyerkraßer oder mit einem blecher-nen Löffel, einem stumpfen Messer rc. vorsichtig ab.Die abgelöseten Eyer werden in ein Becken gethan,Wasser darüber gegossen, und im Wasser sanft mit derHand gerieben, damit sie sich von einander trennen, undvon dem ihnen anklebenden thierischen Leim frei werden.Die oben aufschwimmenden Eyer nimmt man ab undwirft sie als untauglich weg. Das Wasser wird daraufumgeschwenkt, damit die Eyer vom Boden aufgeregtwerden, durch ein ganz enges Haarsieb oder durch Lein-wand abgegossen, um die Eyer davon zu trennen. Jetztthut man diese Eyer mit denen, welche sich schon imEymer von der Leinwand abgelöset hatten, und in dem-selben zu Boden gesunken waren, abermals in ein Bek-ken, und wäscht sie noch einmal mit reinem Wasser oderGer. techn. Enc. Theil 6l.II. K