Band 
Hundert und zwei und fünfzigster Theil, welcher die Artikel Sege bis Seihezeug enthält.
Seite
149
JPEG-Download
 

Seide und Seidenbau. 149

werden, oder daß auch die Eyer durch Unvorsichtigkeitim Bette zerdrückt werden.

Eine Pächterin, Therese Brull *) in der Gegendvon Valenzia in Spanien, hatte von ungefähr einigeEyer von Seidenwürmern in den Falten des leinenenTuches gelassen, worauf die Würmer beim Eyerlegengesessen hakten, und bemerkte am 30sten July 1784,daß jene Eyer, etwa 30 bis 40 an der Zahl, ausgekom-men waren, und gab den jungen Räupchen Maulbeer-blätter vom zweiten Triebe, wie man sie damals hatte,Dieses ging so glücklich von Statten, daß sich die Rau-pen schon den zwanzigsten Tag eingesponnen, und dieschönste, fast durchgehende weiße, Seide hervorbrachten.Die Urtheile bei dieser Kultur sind folgende: 1) Spin-nen sich die Raupen im Sommer in 30 Tagen ein,. dasie im Frühjahr,40 Tage dazu brauchen, mithin erspartman die Hälfte ihrer Nahrung. 2 ) Ist die Witterungim Frühjahre meistentheils sehr unbeständig und. kalt,und daher die Blätter der Gefahr zu erfrieren ausgesetzt,also sind sie seltener, als im Sommer. 3) Jstman sicherbei dieser Methode, indem man den Würmern die Blät-ter vom zweiten Triebe giebt, eben so viele und guteSeide zu erhalten; und endlich 4) kann man sogar zwei-mal im Jahre Seide erndten. — Der König von Spa-nien erkannte daher demjenigen eine Belohnung von3000 Realen zu, der die reinste Seide nach der Methodedieser spätern Kultur einerndten würde. Wie nun derErfolg der Concurrenten, um diesen Preis zu gewinnen,gewesen, ist nicht berichtet worden.

In Frankreich hat man auch eine Brukmaschine er-funden, welche Reynaud in seinem Werke über dieSeidenzucht der Sevennen, S. 312, auf folgende Weifebeschreibt. Die Brutmafchine, Fig. 8641, besteht auseinem Kasten, der etwa 3 Fuß oder noch weniger in's

*) Madrider Zeitung vom uten März 1735 .