152 Seide und Seidenbau.
rothe oder ganz schwarzeFarbe haben, welches immer einenkränklichen Zustand anzeigt, sondern tief kastanienbraunaussehen, welches ihre eigentliche Farbe ist.
Beim Treiben des Seidenbaues im Kleinen bedarfman einer Brutmaschine nicht; denn indem man dasBrutgeschäft in der Wohnstube vornimmt, hat mannur dafür zu sorgen, daß in derselben immer eine solcheTemperatur herrscht, wie sie demselben zusagt, das heißt,eine mäßige Wärme, so daß der menschliche Körper inleichter Kleidung weder Kälte, noch Hitze empfindet.Man stelle die Eyer in einer flachen Schachtel oder auchin einem etwas tiefen Schachteldeckel, der wegen desStaubes mit dünnem Papiere bedeckt werden muß, aneinen solchen Ort, wo sie gegen Unfälle gesichert sind,nur nicht in die Nähe eines geheizten Ofens, oder wohlgar auf den Ofen oder in die Röhre desselben, weil ihnennichts schädlicher ist, als zu starke Hitze; dagegen istihnen geringe Kälte gar nicht nachtheilig, und manbraucht, wenn es z. B. in der Nacht im Zimmer etwaskühl geworden seyn sollte, deshalb nicht in Sorge zuseyn; die Raupen entwickeln sich dann nur langsamerund kommen etwas später aus. Der Pfarrer Hau-mann hat ohne alle vorherige Vorkehrungen das Brut-geschäft in Thätigkeit gesetzt. Er erhielt nämlich zuEnde März des Jahres 1828 Eyer aus Berlin, die eranfangs in einen Keller setzte; da es aber darin zu feuchtwar, so brachte er sie in eine nach Norden zu liegendeKammer, den kühlsten Ort seiner Wohnung im Som-mer, welches am Anfange des Aprils geschah. DasAusbrüten sollte nun bis Ende Mai verschoben werden;allein ein Besuch von Verwandten am lOten und Ute»Mai machte diese Kammer zur Schlafstätte, wodurchdie Temperatur derselben merklich erhöht wurde; alsnun der Pfarrer am 22sten Mai nach seinen Eyern sah,waren einige Räupchen schon ausgekrochen. Die Eyer