Seide und Seidenbau. 159
Nach dem Grafen Dandolo in der Lombardey, derdurch mehrjährige Versuche das Ganze des Seidenbauesauf sichere Grundsätze zu bringen sich bemühete, ist dieBehandlung folgende: Am ersten Tage giebt man dievon einer Unze Eyern ausgckrochenen Räupchen 14Unzen zarte von Stielen gereinigte, ganz klein geschnit-tene Blätter in vier Mahlzeiten. Die erste Mahlzeitist die schwächste, und bei jeder folgenden legt man et-was mehr zu, so daß die letzte, die stärkste wird. Imersten Lebensalter ist es wichtig, die Blätter recht kleinzu schneiden, und sie ganz leicht über die kleinen Räup-chen auszubreiten. Es ist nämlich höchst nothwendig,daß diese kleinen Thierchen, in einem kleinen Raume, ^und alle zu gleicher Zeit ihr Futter mit Bequemlichkeitfinden, welches sie nicht vermöchten, wenn man ihnenganze oder nur gröblich zerschnittene Blätter reichenwollte; gesetzt auch, man wolle ihnen weit mehr Futtergeben, als sie bedürfen, so würden ihnen die ganzenBlätter nicht so viele freie Ränder darbieten, und siewürden verwelken, ehe sie verzehrt wären. Man darfaber die Blätter nicht eher schneiden, als bis man sieihnen vorlegen will. Die für jeden Tag bestimmteBlättermenge, muß für die vier Mahlzeiten des ganzenTages hinreichen. Die Raupen fressen ihre Portionungefähr in anderthalb Stunden auf, dann bleiben siedie übrige Zeit bis zur frischen Mahlzeit mehr oderminder ruhig. Bei jedem frischen Futtern erweitertman die kleinen Vierecke ihres Lagers etwas, indemman das Futter etwas weiter hinausstreut. Wennaber die Raupen über die Gränzen ihres Lagers hinaus-gehen sollten, so bediene man sich des kleinen Besens,um sie weder auf ihren Platz zurückzubringen. Amzweiten Tage bedürfen die Raupen von einer UnzeEyern etwa 1 Pfd. und 6 Unzen Blätter siür alle vierMahlzeiten. Die erste Mahlzeit muß wieder dieschwächste seyn, die letzte die stärkste. Die Vierecke