162 Seide und Seidenbau.
nigen, die diese Cocons darum zur Nachzucht zu neh-men anrathen, weil man sie auf Seide weniger benutzen'kann, und sie so verhaltnißmäßig einen geringeren Werthhaben, haben über die Seidenzucht sehr wenig nachge-dacht; denn gerade in einer guten Nachzucht, wennman sich nämlich selbst damit abgeben will, liegt der He-bel zum Seidenbau. Die Anzahl der zur Nachzuchtauszuwählenden Cocons.richtet sich nach der Masse derEyer, die man zu erzielen gedenkt. Der Graf Dan-dolo hat durch vieljährige Beobachtungen und genaueVersuche gefunden, daß 14 Loth Cocons im Durch-schnitt immer 1 Loth Eyer liefern. Auch rechnet manvon 1 Loth Eyern 60 Paar Schmetterlinge, also 120 Co-cons. Man legt die zur Nachzucht bestimmten Coconsan einen Ort, der nicht dumpf oder feucht ist, und daauf einen Tisch, Flechten rc. ausgebreitet, so daß siehöchstens doppelt über einander zu liegen kommen. DetOrt, wo man sie aufbewahrt, darf nicht zu warm seyn,und die Temperatur der Luft an demselben höchstens18 Grad betragen. Derselbe muß auch eine solche Lagehaben, daß man frische Luft einlassen kann. Der Sonnedürfen die Cocons übrigens nicht ausgesetzt werden, weilsonst die Puppen in denselben leicht sterben können.
Die nicht zur Nachzucht bestimmte Cocons werden,nachdem sie gesondert worden, vorgenommen, und die inihnen befindlichen Puppen getödtet, ehe sich die Schmet-terlinge daraus entwickeln, und ausschlüpfen; den 12 bis14 Tage nach dem Einspinnen, je nachdem die Tempera-tur der Luft höher oder geringer ist, entwickeln sich dieSchmetterlinge in den Cocons aus den Puppen, wobeisie aus dem Munde einige Tropfen Saft von sich geben,welcher den Cocon an der Stelle, wo der Kopf desThierchens liegt, durchweicht, so daß der Schmetterlingsich an dieser Stelle, indem er sich mit dem Kopfe gegenste stemmt, durch Ausdehnen und Wegdrängen der Sei-denfaden leicht eine Oeffnung bohrt, aus welcher er sich