204 Seide und Seidenbau.
zum Vorschein, und zeigt sich durch alle übrige Lebens-alter hindurch. Die Raupen haben eine dunklere grün-liche Farbe, fressen fort und wachsen, dabei schwellen siean und schwitzen eine weiße, schmutzige, klebrige, saftigeFeuchtigkeit aus, woher auch der Name dieser Krank-heit gekommen. Die Raupen sterben einige Tage nachder Häuknngszeit, ohne die Häutung bestanden zu ha- ,ben. Diese Krankheit soll durch eine Ueberfüllung derSäfte entstehen, bei Mangel an Lebenschätigkeit. Bei ^dem Eröffnen der todten Raupen, zeigen sich die Säfteeiterartig. Mehrere Seidenraupenzüchter hegten frü-her die Meinung, daß diese Krankheit entstände, wennman die Raupen mit den Blattern von den jungenSchößlingen und Wasserreisen der Maulbeerbäume >füttere; allein diese Meinung hat sich, nach späteren an- 'gestellten genauen Beobachtungen und gemachten Er-fahrungen von unterrichteten Seidenbauern, nickt be-währt gefunden. Sie soll nach neueren Beobachtun-gen eher herrühren, wenn die Eyer nicht gut durchge-wintert und schlecht gebrütet worden, und daher einefehlerhafte Generation erzeugen; wozu noch kommt eineschädliche Ausdünstung des menschlichen und thierischenKörpers, schlechtes Futter, als nasse oder auch alte undzu fette Blätter bei einem noch jugendlichen Alter der .Raupen; feuchte kalte Luft und eine zu niedrige Tem-peratur während der Häukungözeit. Bis jetzt hat mandiese Krankheit noch nicht durch ein wirksames Mittelheben können, weil mau sie in der Regel erst dann enk<deckt, wenn sie schon den höchsten Grad erreicht hat,und also alle Vorkehrungen dagegen nicht mehr helfen.Das beste Mittel ist: Absonderung der kranken Rau-pen von den gesunden, minder saftiges und fettes Fut-ter, und reine trockne Lust bei gehörig erhöheter Tempe-ratur sollen die besten Mittel seyn, um daö weitere Um-sichgreifen dieser Krankheit zu verhindern. Bei derFütterung mir Surrogaten entdeckte Haumann diese