Seide und Seidenbau. 219
schaffen der Cocons selbst den Maaßstab an die Handgeben, dies kann aber nur in dem Fall geschehen, wenndie Cocons von einer ganz vollkommnenen Eigenschaftund Güte sind. Mittelmäßige oder schlechte Cocons, dürfen jedoch nur in drei, oft aber auch nur in zwei Gat-
! tungen abgetheilt oder sortirt werden. Das Sortiren
der Cocons kann nur von denjenigen am besten verrich-tet werden, welche sich mit dem Haspeln der Seide ab-geben; daher geschieht dieses Geschäft gewöhnlich ingroßen Seidenbauanstalten nur von geübtenHasplerin-nen, oder wenn es von andern geschieht, so führt eindieses Geschäft kundiger Mann die Aufsicht darüber,und weiset die Sortirer an, aus welche Art sie die Co-cons auswählen mästen. Von Kindern, wie eö hinj und wieder geschieht, darf man dieses Geschäft nichtverrichten lassen, weil diese von der Eigenschaft und, Beschaffenheit der Cocons nicht den mindesten Begriffhaben. Können nach den Eigenschaften der Coconsdieselben in vier Theile gebracht werden, so werden die' seidenreichsten, festesten und von ringelartigem Baue zur^ ersten Sorte gewählt, und daraus Organsin, Or-sojo oder die sogenannte Kett en seid egesponnen, wor-aus die schönsten glänzendsten Seidenwaaren verfertigetwerden. Zur zweiten Sorte wählt man die Coconsvon mittlerer Güte, worausTrame oder die sogenannteEintragseide gesponnen wird; man erkennt sie ausihrer mittelmäßigen Festigkeit und aus ihrem glattenBaue. Zur dritten Sorte werden die schwachen Co-cons, von den Italienern Falope genannt, gewählt,woraus man die sogenannte Bello seide spinnt, diewegen ihres gröberen Stoffes meistens zu Schnüren rc.verarbeitet wird. Zur vierten Sorte wählt man end-lich die doppelten Cocons, die an der Größe, starkenFestigkeit und an unreinen Fäden erkannt wird; diesewerden zu Strickseide, und im Falle sie geschickt gespon-nen worden, auch zu reiner Eintragseide oder Bello,