Band 
Hundert und zwei und fünfzigster Theil, welcher die Artikel Sege bis Seihezeug enthält.
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224 Seide und Seidenbau.

wurde auch das reine Wasser aus dem außerhalb in derSonne stehenden Wasserbehältern durch Rinnen nachInnen geleitet. Es war nichts von der Hiße der 100Oefen in dem einen und der 120 in dem andern Saalezu spüren, und auch der üble Geruch der Cocons warweniger bemerkbar.

Die zum Haspeln der Seide geeignetste Zeit ist beiuns in Deutschland die Mitte oder das Ende des Mo-nats Juny. Ueberhaüpt muß man dieses Geschäftsogleich anfangen, wenn eine hinreichende Anzahl reiferCocons vorhanden ist, damit matt mit demselben inden Monaten Juli und August zu Ende kommt, unddieses nach dem Herrn von Türk aus folgenden Grün-den: 1) werden die Tage in den Monaten SeptemberundOctober schon zu kurz, die Morgen- und Abendstun-den schon zu kühl, wobei die Dämpfe des heißen Was-sers, die aus den Kesseln aufsteigen, durch die Kälte ver-dichtet so sichtbar werden, daß man keinen Gegenstandmehr recht unterscheiden kann. — 2) Vertrocknen dieCocons zu sehr, wodurch sie leiden; vorzüglich aber

3) trocknet die so eben gehaspelte Seide nicht gehörigaus und verliert daher ihren Glanz; die Fäden klebendann leicht in den Strähnen zusammen und die Seideverliert sehr an Werth. Hierzu kommt nun noch, daß

4) die Cocons, bei den später eintretenden kalten Tagen,leicht schimmlich werden, und endlich 5) wird auch denHasplerinnen ihre Arbeit sehr beschwerlich, und da, woman noch aus heißem Wasser haspelt, leiden ihre Fin-ger sehr durch den großen Abstand des heißen Wassersgegen die Kälte der Luft, in der sie arbeiten.

Das bisher übliche Verfahren beim Haspeln derSeide, sowohl bei uns in Deutschland, als auch in Ita-lien, in Piemont und in der Lömbardey, ist folgendes:Man läßt, nach dem Herrn von Türk, dem ich hiergrößtencheilö folge, einen kleinen kupfernen Kessel ineinem kleinen: aus Ziegeln erbaueten Ofen, unten mit