227
Seide und Seidenbau.
um die Cocons gehörig zu behandeln, so hat sie einBecken mit kaltem Wasser zur Hand, in welches sie im-merwährend ihre Finger eintauchen kann, um das Ver-brennen derselben zu verhindern; allein bei aller Sorgefür dieselben, wird sie solche doch bei dieser Arbeit durchdas heiße Wasser bald so angreifen, daß sie für einigeZeit alles Gefühl an ihnen verliert. Das Gefühl kehrtjedoch mit der Zeit wieder zurück.
Das Abhaspeln oder Abwinden der Seide von denCocons geschieht immer in freier Luft, gewöhnlich in ir-gend einem Garten; nicht sowohl wegen der FeuerSge-fahr, als auch wegen des üblen Geruches der todtenPuppen. Man läßt daher dieses Geschäft nie inner-halb großer Städte, sondern jederzeit vor den Ring-mauern derselben verrichten. Wenn das Tagewerk vor-über ist, macht man ein Feuer von Reisern, wirft dietodten Puppen, die aus der innersten Hülle der Coconsherausgenommen werden, welche man in dieser Hinsichtmit einer Scheere aufschneidet, in dasselbe, verbrennt sie,und schasst sie heraus aufs Feld, wo man sie mit einerLage Erde oder Sand bedeckt, da sie dann einen sehrguten Dünger geben, welches regelmäßig jeden Abendgeschieht, ehe die Leute von der Arbeit heimkehren. Danicht alle Seide abgewunden werden kann, so wird das,was auf der todten Puppe von der Seide zurückbleibt,zugleich mit der groben Seide, die man anfangs abma-chen muß, ehe man aufdie feine Seid? gelangte, bei Seitegelegt. Das Wasser in dem Becken muß wenigstenszweimal des Tages erneuert werden, des Morgens, ehedie Arbeit beginnt,' und zum zweiten Male, ehe die Ar-beiter Mittag halten, da immer einige Zeit vergeht, ehees zu sieden anfängt. Wenn, während die Arbeit imGange ist, die Cocons öfters zu den kleinen eisernenLeitern emporsteigen, so ist das Wasser zu heiß, undwettn sich der Faden nicht von dem Cocon lösen will, soist es zu kalt. Nach diesen Anzeigen wird man leicht
P 2